Münchner Konzertsaal: Gutachter gegen Doppelbelegung des Gasteig

25. April 2015 - 20:01 Uhr

München – Neues Kapitel in der Debatte um den Neubau eines Münchner Konzertsaals: Die von Stadt und Freistaat beauftragten Gutachter raten von einer Orchester-Doppelbelegung im Münchner Kulturzentrum Gasteig ab, wie die "Süddeutsche Zeitung" (Samstag) berichtete. Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) bestätigte der Deutschen Presse-Agentur am Samstag, dass die gemeinsame Nutzung einer quasi neu gebauten Philharmonie im Gasteig durch die Münchner Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks dem Gutachten zufolge zwar grundsätzlich machbar sei, aber weitreichende Konsequenzen für beide Orchester habe.

BR-Symphonieorchester

BR-Symphonieorchester

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) äußerte sich am Samstag zurückhaltend. Er werde die Ergebnisse der Studie zunächst mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) besprechen. Zugleich teilte er über eine Sprecherin mit, dass er dem Stadtrat keine Lösung vorschlagen werde, die gravierende Nachteile für beide Orchester mit sich bringe.

Die seit Jahren andauernde Diskussion über einen neuen großen Konzertsaal in der Landeshauptstadt dürfte damit nochmals schärfer werden. Erst im Februar hatten sich Seehofer und Reiter darauf geeinigt, eine Doppelbelegung in einem neuen Saal im Kulturzentrum Gasteig zu prüfen und auf einen Neubau an anderer Stelle zu verzichten. Das hatte massive Proteste in Teilen der Münchner Musik- und Kulturszene ausgelöst.

Die am Freitag fertiggestellte Studie scheint die Bedenken nun zu bestätigen: Die Münchner Philharmoniker wären demnach die klaren Verlierer der "Zwillingslösung" mit gleichen Belegungsrechten für beide Orchester. Das städtische Orchester, das bislang ein Erstbelegungsrecht in der Philharmonie besitzt, müsse mit Einnahmeverlusten von etwa 700.000 Euro rechnen und künftig regelmäßig in den kleineren Herkulessaal ausweichen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" aus dem Gutachten. Dadurch könnten ebenso Abonnenten verloren gehen wie beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Dort müsse man mit einem dauerhaften Verlust von bis zu neun Prozent aller Abonnenten rechnen. "Die Studie ist sehr valide und belastbar", erklärte Spaenle. Eine Bewertung durch die Politik sei aber erst möglich, wenn sich auch die beiden Orchester geäußert hätten.

Anfang der Woche sollen die Ergebnisse einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der Orchester, der Konzertveranstalter und von Stadt und Freistaat vorgestellt werden. Oberbürgermeister Reiter erklärte am Samstag, ihm sei an einer raschen Klärung des Themas gelegen. "Mir ist wichtig, dass jetzt die jahrelange Hängepartie um die künftige Nutzung der Philharmonie beendet wird." Die immer wieder aufgeschobene Sanierung des Gasteigs müsse endlich angegangen werden, sagte Reiter.

(dpa/MH)

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