Schwetzinger Festspiele: Beifall für Opernalbtraum "Wilde"

23. Mai 2015 - 12:55 Uhr

Schwetzingen – Der spanische Regisseur Calixto Bieito ist bekannt für seine blutig-gewalttätigen Inszenierungen mit sexuellen Komponenten. Auf der Bühne der Schwetzinger Festspiele lebte er sich am Freitagabend so richtig aus. Dafür bekam der 51-Jährige erstaunlich viel Beifall nach der Uraufführung der modernen Oper "Wilde" nach einem Text des österreichischen Dramatikers Händl Klaus (46) und mit neuer Musik des spanischen Komponisten Hèctor Parra (38).

"Wilde"

"Wilde"

In der knapp zweistündigen Oper ohne Pause strandet der aus einem Kriseneinsatz heimkehrende Arzt Gunter (Ekkehard Abele) in einer auch auf der musikalischen Ebene erkennbaren, farblosen Kleinstadt in der Provinz. Er ist zu früh aus seinem Zug ausgestiegen. Der Anschlusszug, der ihn zu seinen Eltern bringen soll, fährt erst wieder am nächsten Tag.

In dem gespenstischen Bahnhof mit einem Beton-Holz-Rohbau (Bühnenbild ebenfalls von Calixto Bieito) und viel Staub und Nebel trifft Gunter nun zwei einheimische Männer, die Brüder Flick (Bernhard Landauer/Vincent Lièvre-Picard). Diese hindern ihn auch mit Hilfe von Kastraten-Koloraturen und chromatischen Harmonie-Dialogen an der Weiterfahrt und finden in seinem Koffer blutig-verkeimtes Operationsmaterial. In dem geheimnisvollen und vergifteten Ort leiden die wenigen sichtbaren Menschen offenbar schon länger an Schwindsucht.

Nun trifft Gunter mit seinem tiefen Bariton und mit seiner sprunghaften Gesangslinie auf drei kranke und vor allem an den Geschlechtsteilen blutende Schwestern. Diese verführen ihn sichtbar und bitten gleichzeitig darum, sie mit Nadeln zu operieren und die Brustkörbe zu öffnen. Der Arzt richtet in der Folge ein orgiastisches Blutbad an, bei dem unklar ist, ob sich dieses nicht nur in seiner Fantasie abspielt. Denn mit dem roten Lebenssaft stillt er auch seinen Durst und wird immer mehr ein Teil der merkwürdigen Horror-Menschengruppe. Am nächsten Tag will er dann mit den anderen Protagonisten gemeinsam eine nahe Kirche besuchen, die berühmt für ihre Fresken ist. Da bricht das Geschehen ab.

Die Schwetzinger Festspiele unter Federführung des Südwestrundfunks (SWR) sind seit 1952 mit jährlich weltweit rund 500 Rundfunkausstrahlungen das größte Radio-Festival für klassische Musik. Die Opern und Konzerte werden traditionell im Rokokotheater und den Konzertsälen des Schwetzinger Schlosses (Rhein-Neckar-Kreis) bei Heidelberg, der ehemaligen Sommerresidenz des pfälzischen Kurfürsten Carl Theodor, gegeben.

(Von Christian Jung, dpa/MH)

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Calixto Bieito inszeniert in Schwetzingen Oper "Wilde" (22.05.2015 – 08:00 Uhr)

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http://www.swr.de/swr2/festivals/schwetzinger-festspiele/

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