Kirill Petrenko wird Chefdirigent der Berliner Philharmoniker – Bayerische Staatsoper will ihn halten

22. Juni 2015 - 16:51 Uhr

(Zweite Zusammenfassung – Neu: Statement Bayerische Staatsoper)

Berlin (MH) – Kirill Petrenko wird neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker. Die Musiker hätten den 43-Jährigen "mit großer Mehrheit" zum Nachfolger von Sir Simon Rattle gewählt, sagte Orchestervorstand Peter Riegelbauer am Montag in Berlin. Der Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper habe telefonisch erklärt, dass er die Wahl annimmt. "Ich umarme das Orchester" wurde der gebürtige Russe zitiert.

Kirill Petrenko

Kirill Petrenko

Die Entscheidung für Petrenko sei am Sonntag nach zwei Diskussionsrunden gefallen, hieß es. Über den Zeitpunkt seines Amtsantritts in Berlin müsse noch verhandelt werden. Petrenkos Vertrag mit der Bayerischen Staatsoper läuft bis 2018. Deren Intendant Nikolaus Bachler gratulierte ihrem Generalmusikdirektor zu der Berufung, strebt aber gleichzeitig eine vom Bayerischen Kulturminister angebotene Vertragsverlängerung in München an.

Anfang Mai war es den Berliner Philharmonikern in einem mehr als elfstündigen Wahlmarathon zunächst nicht gelungen, sich auf einen neuen Chefdirigenten zu verständigen. Nach dem nunmehr gefundenen Ergebnis äußerte sich Intendant Martin Hoffmann "ganz wunderbar froh". Es sei "ein toller Tag für uns". Über den Ablauf der jetzigen Wahl wollte sich das Orchester nicht äußern.

Petrenko sei "ein Musiker, bei dem Partitur und Werk im Vordergrund stehen" und "künstlerisch breit aufgestellt", erklärten Riegelbauer und Medienvorstand Olaf Maninger. Obwohl der Dirigent erst drei Mal Gast der Berliner Philharmoniker war, habe die Frage anschließend nicht gelautet, ob er wieder eingeladen wird, sondern wann.

Der bisherige künstlerische Leiter Simon Rattle (60) äußerte sich "hocherfreut" über die Wahl Petrenkos und gratulierte dem Orchester "zu dieser zukunftsweisenden Entscheidung". Der Brite hatte Anfang 2013 bekanntgegeben, Berlin 2018 nach dann 16 Jahren zu verlassen. Ab 2017 wird er Chef des London Symphony Orchestra und will bis zu seinem Abschied ein Jahr zwischen London und Berlin pendeln.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller sprach von einer hervorragenden Wahl. Petrenko werde "die große Dirigententradition der Berliner Philharmoniker fortsetzen und das einzigartige künstlerische Profil dieses großartigen Orchesters weiter schärfen".

Petrenko gehörte von Anfang an zum engeren Kreis der möglichen Rattle-Nachfolger. Seit 2013 ist er an der Bayerischen Staatsoper. Im russischen Omsk geboren, zog er 1990 mit seiner Familie nach Vorarlberg in Österreich. Dort war sein Vater Geiger im Symphonieorchester. Von 2002 bis 2007 war Petrenko Generalmusikdirektor an der Komischen Oper Berlin.

Als weitere Kandidaten waren immer wieder Christian Thielemann (Staatskapelle Dresden), Andris Nelsons (Boston Symphony Orchestra) und Gustavo Dudamel (Los Angeles Philharmonic) genannt worden. Die 1882 gegründeten Berliner Philharmoniker ist eines der wenigen Orchester, bei dem die Musiker ihren Chefdirigenten selbst wählen.

(Von Wieland Aschinger)

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