Täglich fünf bis sieben Stunden üben – Posaunist Kaptain will nach ganz oben

09. Juli 2015 - 11:14 Uhr

Leipzig – Carl-Philipp Kaptain hat sich ganz dem Posaunenspiel verschrieben. Mit neun Jahren war das noch anders: "Ich wollte eigentlich Tuba lernen", sagt der 25 Jahre alte, mehrfach ausgezeichnete Musiker. Aber damals sei er schlicht zu klein für die wuchtige Tuba gewesen. Deswegen begann er in der Musikschule zunächst mit Tenorhorn und stieg wenige Jahre später auf die Posaune um. Dem Instrument ist er bis heute treugeblieben. Jetzt schickt sich Kaptain an, sich einen Platz in einem renommierten Orchester zu erspielen.

Carl-Philipp Kaptain

Carl-Philipp Kaptain

Als Posaunist hat der besonnen wirkende junge Mann schon einige Preise eingeheimst. Die Richard-Wagner-Stiftung Leipzig sprach ihm den Nachwuchspreis 2015 zu. "Technisch wie musikalisch, interpretatorisch und als Persönlichkeit hat uns Carl Philipp Kaptain sehr überzeugt. Er produziert einen warmen, schönen, berührenden Posaunenklang", begründete die Jury die Wahl. Als er jünger war, erreichte Kaptain vordere Plätze beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert".

Die Musik sei ihm gar nicht in die Wiege gelegt worden, erzählt Kaptain, der in Zeitz (Sachsen-Anhalt) geboren wurde und jetzt an der Leipziger Musikhochschule im Masterstudium Posaune studiert. Die Eltern – der Vater Architekt, die Mutter Apothekerin – hätten eigentlich mit Musik nichts am Hut gehabt. "Meine Eltern haben mich nirgends hingepusht. Aber sie haben es zugelassen."

Kaptain geht in der klassischen Musik auf. Der Blechbläserklang habe ihn schon immer fasziniert, sagt er. Zeitgenössische Popmusik dagegen gebe ihm überhaupt gar nichts. "Popmusik ist dafür gemacht, beiläufig nebenher zu laufen." Doch Musik nebenher, als bloße Geräuschkulisse – das sei nichts für ihn. Kaptain hat auch ein wenig Orgel gelernt, und auf dem Klavier komponiert er – nur für sich. "Das hat für mich noch den Charakter von Studienarbeiten."

Als Teenager ging Kaptain nach Weimar. Auf dem Musikgymnasium Schloss Belvedere machte er sein Abitur. Seine Abschlussnote: 1,0. "Als ich nach Belvedere gegangen bin, habe ich auch schulisch noch mal einen Sprung gemacht", stellt er nüchtern fest. Doch auch wenn ihn vieles interessiert – Architektur, Antiquariate, alte Schriften – sein Fokus liegt auf der Musik. Sein Ziel ist klar: Er will als Berufsmusiker einen Platz in einem großen Orchester finden.

Nach Angaben der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) spielen in den Orchestern hierzulande rund 450 bis 500 Posaunisten. Bundesweit ausgeschrieben waren im Juni nur eine Handvoll Stellen. Einen festen Platz zu finden sei schwierig, sagt DOV-Geschäftsführer Gerald Mertens. "Die Anforderungen sind sehr hoch, die Konkurrenz ist hart." Rund 800 Absolventen der Orchesterfächer verließen jährlich die 24 Musikhochschulen. Dazu kämen Musiker aus dem Ausland. "Es ist über die Jahre schwieriger geworden, einen Platz in einem Orchester zu finden." Die Zahl der festen Stellen sei gesunken.

Kaptain ist sich bewusst, dass sein Wunsch nicht ganz leicht zu erfüllen ist. "Es gibt viele, die gut Posaune spielen. Man muss viel investieren, um ein hohes künstlerisches Niveau zu erreichen." Wie viel genau? Zwischen fünf und sieben Stunden täglich spiele er auf der Posaune, sagt Kaptain. Und er habe auch kein Problem damit, abends halb zehn noch in einen Proberaum zu gehen und "noch eine Runde zu üben."

(Von Birgit Zimmermann, dpa/MH)

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