Münchner Konzertsaal: Gerhaher plädiert für Residenz

22. Juli 2015 - 15:44 Uhr

München – In der Debatte um einen neuen Konzertsaal in der bayerischen Landeshauptstadt hat sich der weltbekannte Lied- und Opernsänger Christian Gerhaher für die Residenz als geeignetsten Ort ausgesprochen. Entgegen kritischen Einwänden sei der 5.000 Quadratmeter große Apothekenhof neben dem bereits für Konzerte genutzten Herkulessaal nicht zu klein, sagte der in München lebende Gerhaher am Mittwoch. Immerhin passe der Herkulessaal flächenmäßig fast viermal in den Hof, ergänzte der Kunsthistoriker Florian Schröter.

Christian Gerhaher

Christian Gerhaher

Zudem gebe es international genügend Beispiele für die gelungene Ansiedlung neuer Gebäude in denkmalgeschützte Ensembles. Als Beispiele nannte Gerhaher die Innenhöfe des Louvre in Paris und des British Museums in London. "Wir finden, es ist alles sehr plausibel und einer Prüfung würdig", sagte der in den bekanntesten Opernhäusern und Konzertsälen der Welt gastierende Bariton.

Grundsätzlich sprach sich der 45-Jährige für einen zentralen Standort aus. Eine Stadtrandlage hält Gerhaher städtebaulich hingegen für falsch. Außerdem sieht er die Gefahr, dass der Herkulessaal bei einer dezentral gelegenen neuen Philharmonie als Konzertort vernachlässigt werden könnte. Vielmehr solle er zu einem Kammermusiksaal umgestaltet werden. Zusammen mit den anderen Räumen der Residenz wie dem Max-Joseph-Saal oder dem Antiquarium könne so ein Konzertareal unter Einbeziehung der diversen Innenhöfe entstehen. "Man muss nicht die Maximallösung mit viel Platzverbrauch umsetzen", erläuterte Gerhaher.

Seine Pläne, die in der Staatskanzlei von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bereits bekannt sind, will der Sänger demnächst im Finanzministerium vorstellen, das die Residenz verwaltet. Für den Fall einer Entscheidung zugunsten des Apothekenhofes regte Gerhaher die Schaffung einer künstlerischen Intendanz für die Nutzung der dortigen Konzerträume an. Nur eine fest installierte Intendanz könne ein künstlerisches Konzept dafür entwickeln.

Das Kabinett hatte vor einer Woche beschlossen, fünf Standorte auf ihre Machbarkeit prüfen zu lassen. Neben dem Apothekenhof sind das im Zentrum der nahe gelegene Finanzgarten und dezentral eine frühere Paketposthalle, der Olympiapark und ein ehemaliges Fabrikgelände. Im Oktober soll die Entscheidung fallen. Der Konzertsaal gilt als derzeit größtes kulturpolitisches Projekt der Staatsregierung und soll eine dreistellige Millionensumme kosten. Die Debatte um den Standort zieht sich seit Jahren hin.

(dpa/MH)

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