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Brucknerfest: Qatar Philharmonic und Buchbinder begeistern mit Temperament und Technik

18. September 2015 - 09:29 Uhr

Linz (MH) – Was für ein kluges Programm, was für eine Spielfreude! Seit 2007 gibt es das Qatar Philharmonic Orchestra, gegründet auf Initiative des Emirs von Katar. Nach dem Konzert am Donnerstagabend im Rahmen des Brucknerfestes Linz muss man feststellen: Das Geld ist prima angelegt. Denn das Ensemble hinterließ ein angetanes Publikum, begeistert von dem Temperament und auch durchaus von der Technik des Ensembles.

Rudolf Buchbinder

Rudolf Buchbinder

Sicher, das Programm war klug gewählt. Dmitrij Kitajenko dirigierte nicht Beethoven und Bruckner sondern Prokofjews 1. und Tschaikowskys 4. Symphonie. Sie umrahmten den Auftritt eines österreichischen Pianistenprofis der älteren Schule. Rudolf Buchbinders glanzvolle Technik und musikalische Wärme haben in Linz einen großen Freundeskreis. Mit seinem absolut unbestechlichen Rhythmuskönnen aber inspirierte er bei Sergej Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini a-Moll das Quatar-Orchester deutlich und half besonders im ersten Satz über alle Wackler hinweg. Seine Zugabe, eine brillant-walzerseufzende Johann-Strauß-Paraphrase, verursachte in der Donaustadt natürlich Begeisterungsstürme.

Das Qatar Philharmonic Orchestra als solches hat sich zu einem selbstbewusst aufspielenden Ensemble entwickelt, das seine Stärken kennt, sie gut und gerne ausspielt. Ein homogener Streicher- und satter Celloklang, sicher strahlendes Blech samt warmem Hornklang und eine zuverlässige Holzbläsergruppe können bei Tschaikowsky punkten, wo besonders im Finale sattes Legato und Krawummzackiges gefragt ist. Wie schön, dass in dieser Symphonie alle nacheinander ihr Können ohne viel kompositorische Kompliziertheiten vorführen können. Die feine Pizzicato-Kultur zeigt: Auch viel Technik können die Musiker. Eine der größten Leistungen des Ensembles ist es sicherlich, dass es auch nach strengen westeuropäischen Maßstäben grundsätzlich durchaus solide und mit Können musiziert.

Hörte man bei Prokowjews 1. Symphonie als Auftakt des Abends ganz genau hin, zeigen sich aber einige musikalische Baustellen. Dynamische Dimensionen kann man deutlich differenziert erweitern, Themenwiederholungen sind stellenweise doch sehr plakativ. Bei 16tel-Läufen geht in den Violinen die Begeisterung für Tempo sehr auf Kosten des Exakten – kleine Verhedderungen, ein paar Knäule… Tapfer aber geht es weiter.

Dass das Orchester immer wieder mit Selbstverständlichkeit die nächsten Paradestellen munter meistert und im Lauf des Abends immer mehr Spielfreude entwickelt, liegt in hohem Maß an Dmitrij Kitajenko. Freundlich, eindeutig und souverän motiviert er, hat sichtlich Freude am Tun. Und die große Erfahrung des Hans-Swarowsky-Schülers ist hier sicherlich einer der Schlüssel für ein so überzeugendes Konzert. Viel herzlicher Beifall eines konzentrierten und wohlwollenden Publikums.

(Von Martina Kausch)

Link:

http://www.brucknerfest.at

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