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Nicolai Gedda – Von der Langlebigkeit einer Stimme

08. November 2015 - 10:30 Uhr

Sonntag, 08. November 2015 / 00:20 – 01:15 Uhr
ARTE

Dokumentation (Deutschland 2015, Erstausstrahlung) Nicolai Gedda zählt zu den außergewöhnlichsten Sängern des 20. Jahrhunderts. Am 11. Juli 2015 feierte er seinen 90. Geburtstag. Über 50 Jahre lang reüssierte der schwedische Tenor russischer Abstammung auf den Opern- und Konzertbühnen der Welt, gab international gefeierte Liederabende und spielte rund 200 Schallplatten ein, die heute als Jahrhundertaufnahmen gehandelt werden.

Nicolai Gedda

Nicolai Gedda

Ein unverwechselbares, silbrig schimmerndes Timbre, stilsicher mit perfekter Diktion in jedem Fach: Geddas Stimme war ein lyrischer Tenor mit ausgesprochen guter und leichter Höhe. Das hohe C und das für in Adolphe Adams Oper "Le Postillon de Lonjumeau" geforderte hohe D bereiteten ihm keinerlei Schwierigkeiten. In mehr als 100 Rollen ist er bis 2001 auf der Bühne gestanden, und dabei schien diese Weltkarriere trotz musikalischem Elternhaus nicht selbstverständlich: Nicolai Gedda war ursprünglich Bankangestellter in Stockholm.

Kaum drei Jahre nach der ersten Gesangsstunde feierte Gedda sein Debüt als Chapelou und wurde damit auf einen Schlag bekannt. Da trat auch der mächtige Plattenproduzent Walter Legge in sein Leben, der einen jungen Sänger für "Boris Godunow" suchte. Das Plattendebüt mit Mussorgsky katapultierte ihn in eine Karriere, deren Langlebigkeit seinesgleichen sucht.

1953 rief Karajan ihn für "Don Giovanni" an die Mailänder Scala; von da an war er in zahlreichen Aufführungen und Schallplattenproduktionen musikalischer Partner der bedeutendsten Sängerinnen der goldenen Ära des Operngesangs: Elisabeth Schwarzkopf, Victoria de Los Angeles, Maria Callas, Joan Sutherland, Mirella Freni, Beverly Sills und vielen weiteren. Gedda war ungemein vielseitig und hatte mehr Raritäten im Repertoire als manch ein Superstar-Tenor Hauptrollen.

Seit dem Beginn seiner Karriere hat sich Gedda neben umfangreicher Opernliteratur auch mit Liedgesang, Unterhaltungsmusik, Operette sowie der Musik der russisch-orthodoxen Liturgie – dem Erbe seiner Kindheit und Herkunft – beschäftigt. Gedda gab seinen letzten Liederabend in Wien, noch 2003 und 2004 sang er kleine Partien in Gesamtaufnahmen von "Turandot" und "Idomeneo".

(pt/wa)

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