Standort für neuen Münchner Konzertsaal beschlossen – Seehofer drückt aufs Tempo – Jansons: "Großes Geschenk"

08. Dezember 2015 - 16:46 Uhr

(Zweite Zusammenfassung – Neu: Mit Reaktionen)

München/Berlin (MH) – Die Stadt München bekommt einen neuen Konzertsaal in der Nähe des Ostbahnhofs. Das bayerische Kabinett einigte sich am Dienstag auf das ehemalige Pfanni-Gelände als Standort. "Das ist jetzt eine Grundsatzentscheidung, die die Staatsregierung getroffen hat", sagte Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU). Der neue Konzertsaal "auf Spitzenniveau" stärke den Kulturstandort München und Bayern. Konzertsaal Muenchen Soziale_Infrastruktur

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) will schon Anfang 2016 mit den Planungen beginnen und drückt aufs Tempo: "Ich hole im ersten Quartal alle Verantwortlichen zusammen", sagte er. "Ich kann nicht einsehen, dass ein Bebauungsplan bis 2017 dauern soll. In Deutschland mag sowas sein, in Bayern darf es nicht sein. Wir müssen schneller werden."

Ein Grund für die Entscheidung für das Werksviertel sei "die zeitliche Verfügbarkeit mit einer möglichen Inbetriebnahme bis Ende 2021", erklärte die Staatskanzlei. Das finanzielle Risiko sei dort auch geringer als bei der ehemaligen Postpakethalle im Westen der Stadt, die ebenfalls zur Wahl gestanden hatte. Der Konzertsaal soll als staatliche Baumaßnahme auf Erbbaurecht realisiert werden. Über einen Zeitraum von 50 Jahren werde das 30 Millionen Euro kosten, erklärte Spaenle.

Der Konzertsaal soll Teil eines neuen, modernen Viertels, eines "urbanen Stadtquartiers" sein, wie es auf der Homepage der Stadt München heißt. Dort soll es künftig auch einen Park, Kindergärten und eine Schule geben. Die Partymeile Kultfabrik, die sich dort befindet, ist zum Jahreswechsel Geschichte. Einige Clubs sollen allerdings am Ostbahnhof und in unmittelbarer Nähe zum neuen Konzertsaal bleiben können.

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sprach von einem "guten Tag für die Musikstadt München und ihre hochklassigen Orchester". Sein Amtsvorgänger Christian Ude (SPD) hatte sich dem Projekt gegenüber noch deutlich skeptischer gezeigt. Die Grünen im bayerischen Landtag forderten ein Finanzierungskonzept. "Wir brauchen nach Jahren des bloßen Geplappers endlich Fakten, Fakten, Fakten", sagte der kulturpolitische Sprecher der Fraktion, Sepp Dürr.

Entwicklungspotential

Entwicklungspotential

Der Neubau soll vor allem dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eine Heimat geben. Dessen Chefdirigent Mariss Jansons nannte die Entscheidung "ein großes Geschenk für die Münchner, die Bayern, die gesamte Musikwelt". Auch BR-Intendant Ulrich Wilhelm äußerte sich erfreut: "Ein Saal mit erstklassiger Akustik wird Spitzenkünstler aus aller Welt anziehen und auch die musikalische Nachwuchsarbeit befruchten."

Nach Einschätzung des Münchner Akustik-Experten Karlheinz Müller kann der Klang in der neuen Konzerthalle durchaus gut werden – auch wenn Züge an dem Gelände vorbei fahren und U-Bahnen drunter her. "Es ist eine Herausforderung", sagte er. "Aber es ist lösbar. Technisch ist das heute kein Problem mehr." Auch unter dem Gasteig fahre schließlich die Münchner S-Bahn auf der Stammstrecke.

(wa, mit dpa)

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