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Elbphilharmonie-Chef Lieben-Seutter: "Zum Preis einer Kinokarte ist man bei uns dabei"

11. Januar 2016 - 08:15 Uhr

Hamburg – Wenn die Hamburger Elbphilharmonie im Januar 2017 eröffnet wird, ist Christoph Lieben-Seutter seit mehr als neun Jahren ihr Generalintendant. 2009 sollte das spektakuläre Konzerthaus im Hafen ursprünglich fertig sein. Helm und Jacke für Baustellenbesuche sind aus seinem Büro in der Laeiszhalle, die er ebenfalls leitet, nicht mehr wegzudenken. Etwa alle zwei Wochen sei er in der Elbphilharmonie, sagt der 51-jährige Österreicher.

Christoph Lieben-Seutter

Christoph Lieben-Seutter

Frage: Das Programm für das erste Halbjahr der Elbphilharmonie soll im April vorgestellt werden. Wie viel davon steht bereits fest?

Antwort: Über mangelndes Interesse können wir uns nicht beklagen, Orchester und Künstler aus dem In- und Ausland wollen dabei sein. Das Programm für das Eröffnungshalbjahr steht zu 95 Prozent. Es wird sehr international, aber auch sehr lokal, weil die Elbphilharmonie eben auch beide Aufgaben hat: Sie wird ein Konzerthaus von internationalem Rang sein, aber sie ist in Hamburg gebaut, von Hamburger Steuergeldern, und will und muss von den Hamburgern akzeptiert werden, wenn sie erfolgreich sein soll.

Es wird Gastspiele der besten Orchester der Welt und umjubelter Stars ebenso geben wie die Angebote einheimischer Orchester. Und allein im Bereich der Musikvermittlung, angefangen beim Vorschulkind, planen wir mehr als 1.000 Veranstaltungen pro Jahr.

Frage: Wie wollen Sie die Skeptiker in Sachen Elbphilharmonie gewinnen und auch jene überzeugen, die sich bislang nicht für klassische Musik interessieren?

Antwort: Um die Auslastung am Anfang machen wir uns gar keine Sorgen. Wir gehen davon aus, dass jeder die Elbphilharmonie erleben will, ob Musikfreund oder Bauskeptiker. Unsere entscheidende Aufgabe wird sein, dass die Besucher immer wiederkommen wollen, weil das, was sie bei uns erleben, einfach so gut ist. Wir wollen günstige Preise und Programmformate bieten, die sich speziell an Leute richten, die glauben, die Elbphilharmonie sei nichts für sie, nach dem Motto: "Die hat so viel Geld gekostet, das kann ich mir eh nicht leisten." Zwischen den Baukosten und unseren Ticketpreisen gibt es gar keinen Zusammenhang. Zum Preis einer Kinokarte ist man bei uns dabei.

Frage: Die jahrelangen Verzögerungen und die massiv gestiegenen Kosten beim Bau der Elbphilharmonie sind auch im Ausland wahrgenommen worden. Auf welche Reaktionen treffen Sie da jetzt, ein Jahr vor der Eröffnung?

Antwort: Seit sie erfunden wurde, ist die Elbphilharmonie auch im Ausland von Anfang an ein Topthema gewesen. Auch in der ersten Phase der Verzögerung, als hier bereits von einem Baudesaster gesprochen wurde, durfte ich mich auf Auslandsreisen noch fühlen wie der König. Inzwischen ist es genau andersrum. Jetzt steht man in Hamburg wieder hinter dem Projekt, sind Themen wie Kosten und Bauverzögerungen fast vergessen, aber international – das merken wir auch im Gespräch mit Sponsoren – herrscht vorsichtiges Abwarten: Wird es jetzt nun ein Skandal oder ein Weltwunder? Aber bekannt ist die Elbphilharmonie wie ein bunter Hund.

(Die Fragen stellte Dorit Koch, dpa)

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