"Sommernachtstraum" mit schalkhaftem Bruno Ganz und elastisch dirigierendem John Eliot Gardiner

11. Februar 2016 - 12:49 Uhr

Frankfurt am Main (MH) – Seit 400 Jahren unter der Erde, aber so lebendig wie nie: William Shakespeare galt der Festakt in Frankfurts ausverkaufter Alter Oper. Ein schalkhafter Bruno Ganz schlüpfte am Mittwochabend in die vielen Rollen von Felix Mendelssohn Bartholdys Schauspielmusik "Ein Sommernachtstraum". Elastisch dirigierte Sir John Eliot Gardiner dazu das London Symphony Orchestra, assistiert von seinem elfengleich singenden Monteverdi Choir. Das Publikum reagierte begeistert.

John Eliot Gardiner, Bruno Ganz

John Eliot Gardiner, Bruno Ganz

Shakespeare, Sommernachtstraum und Mendelssohn sind untrennbar miteinander verbunden. Ist doch die deutsche Erstaufführung der beliebtesten Shakespeare-Komödie erst 1843, eingebettet in die Bühnenmusik von Felix Mendelssohn Bartholdy, über deutsche Bretter gegangen. Teenager Mendelssohn ist überhaupt einer der ersten gewesen, die Schlegels Übersetzungen des großen Engländers begeistert gelesen haben und sie direkt in romantische Musik übersetzten.

Nur folgerichtig also die Programmwahl zur feierlichen Würdigung des dramatischen Weltbestsellers in der Alten Oper Frankfurt, wobei nur eine kleine Auswahl der berühmten Schauspielmusik gegeben wurde. Bruno Ganz, der große alte Mann des deutschsprachigen Theaters, brauchte nur wenige Minuten, um das Publikum mit seiner feinen Persönlichkeit und dem Rezitieren von Schlegels reichhaltiger Shakespeare-Übersetzung in den Bann zu ziehen. Ob als köstlich verschrobener Puck, als zu Tode verzweifelte Hermia oder despotisch auftrumpfender Oberon: Iffland-Ringträger Bruno Ganz traf immer den richtigen Ton. Das galt ganz besonders für das zarte Taktgefühl im orchestralen Stimmgewirr, bei dem ein Schauspieler nicht nur groß auftrumpfen darf, sondern sich als echter Teamplayer beweisen muss.

Im spannenden Kontrast zum warmherzigen, drollig verschnuckten Ganz dirigierte Gardiner das London Symphony Orchestra klar strukturiert und eher entschlackt als romantisch, wobei die Orchesteraufstellung die Dominanz der vibratolosen Streicher noch betonte. Links die Kontrabässe, auf einem kleinen Podest Celli und Bläser, die restlichen Streicher fast frontal zum Publikum. Bestens disponiert am rechten Rande der luxuriöse Monteverdi Choir als Titanias Gefolge, der mal vereint, mal solistisch als Elfengarde die "bunten Schlangen" besang. Insgesamt eine trocken akzentuierte Interpretation, die aller süßlichen Hochromantik mit Skepsis begegnet.

Dass bereits der frühreife Mendelssohn ein genialer Musiker war, bewies Gardiner mit Mendelssohns vorgeschalteter Sommernachtstraum-Ouvertüre, die er bereits im Alter von 17 Jahren schrieb. Der musikalische Höhepunkt aber erklang bereits vor der Pause. Seine draufgängerische erste Sinfonie, die Mendelssohn 15-jährig komponierte, ließ Gardiner mit stehenden Streichern knuspernd frisch und voll jugendlichen Furors erklingen, die alle eingeschliffenen, glattpolierten Interpretationen auf die hinteren Plätze verweist. Viel Applaus brandete am Ende allen Beteiligten entgegen.

(Von Bettina Boyens)

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