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"Feuerwerk der Rhythmen": Dirigent Bělohlávek wird 70

24. Februar 2016 - 08:00 Uhr

Prag – Die Tschechische Philharmonie ehrte ihren international renommierten Dirigenten schon vor gut einer Woche. Zum Ende des Konzerts vor geladenen Ehrengästen gab es lang anhaltenden Stehapplaus für Jiří Bělohlávek. Am (heutigen) Mittwoch wird der Verfechter der heimatlichen Tonsetzer von Dvořák bis Janáček 70 Jahre alt.

Jiří Bělohlávek

Jiří Bělohlávek

Bělohláveks Aufmerksamkeit gilt der klassischen und romantischen Musik, seine Leidenschaft aber vor allem einem Komponisten. Es dürfte sein Verdienst sein, den Werken seines Landsmanns Bohuslav Martinů (1890-1959) zu einem breiteren Publikum verholfen zu haben. Mit dem BBC-Symphonie-Orchester nahm er 2009 alle sechs Symphonien des originellen, aber eher selten gespielten Komponisten auf.

Bělohlávek studierte Violoncello am Prager Konservatorium, bevor er den Taktstock ergriff und bei Sergiu Celibidache Meisterstunden nahm. Der rumänische Star-Dirgent war für seine langsamen Tempi berühmt-berüchtigt. Von 1990 bis 1992 leitete Bělohlávek dann in der Nachfolge von Vaclav Neumann die Tschechische Philharmonie.

Doch als die Orchestermusiker erstmals das Recht bekamen, ihren Dirigenten in geheimer Wahl selbst zu bestimmen, endete das Engagement Bělohláveks im Streit. Die Musiker holten mit Gerd Albrecht einen Deutschen ans Pult – damals eine kontroverse Entscheidung. Zum 100-jährigen Bestehen des Orchesters 1999 leiteten dann Bělohlávek und Albrecht je eine Hälfte des Konzerts.

Später ging Bělohlávek nach England, wo er von 2006 bis 2012 an der Spitze des BBC-Symphonie-Orchesters stand. In London wurde ihm viel Anerkennung zuteil. Kritiker lobten den typisch böhmischen, warmen Klang. Die Queen zeichnete ihn mit dem CBE-Verdienstorden aus. Mit internationaler Erfahrung kehrte Bělohlávek dann nach 20 Jahren an die Tschechische Philharmonie zurück.

Nicht immer gelinge es dem Perfektionisten, seine Sorgfalt und Präzision in ein starkes emotionales Erlebnis zu verwandeln, merkte der Kritiker der Zeitung "Hospodarske noviny", Petr Fischer, zum Jubiläum an. Doch die Musik eines Martinu in der Interpretation von Bělohlávek – das sei "ein Feuerwerk der Rhythmen, ein Überschwall der Emotionen, die durchdachte Entstehung von Energie".

(Von Michael Heitmann, dpa/MH)

Link:

http://jiribelohlavek.com

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