Brillantes Gesamtkunstwerk: Orffs "Die Kluge" in Köln

14. März 2016 - 09:52 Uhr

Köln (MH) – Zwei musikalische Errungenschaften von Carl Orff kennt wirklich jeder: die Kantate "Carmina Burana" und das nach ihm benannte musikpädagogische Instrumentarium. Etwas in Vergessenheit geraten ist jedoch ein weiterer Welterfolg des Komponisten: die Oper "Die Kluge". In mehr als 20 Sprachen übersetzt und rund um den Globus gespielt, ist sie ein Musterbeispiel für dramaturgische und musikalische Logik. Beides sind auch Qualitäten der Inszenierung von Brigitta Gillessen, deren Premiere am Sonntag im Kölner Staatenhaus umjubelt wurde.

Die Kluge

Die Kluge

Denn was die Regisseurin im Ausweichquartier der Kölner Oper als Familienstück auf die Bühne bringt, kann man getrost als großen Wurf bezeichnen, als Gesamtkunstwerk, das pädagogischen, musikalischen und dramaturgischen Anspruch in geradezu bezwingender Weise vereint. Gillessen, die in Köln die Sparte Kinderoper leitet, nimmt Orffs stilisierte Beziehung von Musik, Sprache und Dramaturgie ernst und entwickelt daraus eine spannende Geschichte um List und Liebe, um Kopf und Herz. Und das macht sie so stringent, dass das Ergebnis bestechend ist. Psychologisch sehr genau austarierte Momente mit kammerspielartiger Intensität schafft Gillessen ebenso wie klamaukhafte Szenen zur allgemeinen Belustigung, lehrstückhafte Episoden in Form einer Parabel ebenso wie ein Happy End, das Herz und Hirn vereint.

Das schlägt sich in der differenzierten Charakterisierung aller Akteure ebenso nieder wie in Kostümen und Bühne (Christof Cremer), die vieles in symbolhafter Weise lediglich andeuten und dennoch ungeheuer viel aussagen. Wie trefflich sich bei dieser Inszenierung inhaltliche Bedeutungsebenen und musikalisch-dramaturgischer Anspruch vereinen, verdeutlich nicht zuletzt das Programmheft, das für Kinder in Form eines Comics, für Erwachsene aber als informatives und bebildertes Booklet erscheint.

Auch das musikalische Fazit dieser Produktion könnte kaum überzeugender ausfallen. Das Sängerensemble ist ausgezeichnet besetzt: Oliver Zwarg gibt einen sonoren, von der Liebe übermannten König, Anna Palimina mit federleichtem Sopran die kluge Bauerntochter. Und auch die anderen Akteure erweisen sich sowohl stimmlich wie auch im Hinblick auf Orffs rhythmisch-virtuose Sprachbehandlung und die Charakterisierung ihrer Rollen als Idealbesetzung. Durch die Platzierung rechts neben der Bühne zwar ein wenig im Abseits aber musikalisch dafür im Zentrum steht das ausgezeichnet spielende Gürzenich-Orchester, das unter Alexander Rumpfs konziser Leitung so manche räumliche Unzulänglichkeit vergessen macht.

(Von Guido Krawinkel)

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