Ausstellung zur preußischen Hofoper ab Januar 2012

16. November 2011 - 08:26 Uhr

Die preußische Hofoper zu Zeiten Friedrich des Großen bot ein atemberaubendes Fest der Sinne. Heute würde man von einem „spektakulären Großevent“ sprechen. Die Menschen sollten beeindruckt, Macht und Größe des Herrschers demonstriert werden. Ein solches Ereignis war die von Carl Heinrich Graun komponierte Oper „Montezuma“. Die „Tragödie für Musik“ wurde 1755 im Königlichen Opernhaus Unter den Linden uraufgeführt, das Libretto hatte der preußische König selbst entworfen. Die Oper steht im Mittelpunkt einer großen Sonderausstellung des Staatlichen Instituts für Musikforschung im Musikinstrumenten-Museum, die anlässlich der Feierlichkeiten zum 300. Geburtstag Friedrichs II. von Januar bis Juni 2012 zu sehen ist.

La Barberina

Die Eroberungsgeschichte Mexikos und das Schicksal des Aztekenkaisers Moctezuma II. (oder Montezuma) wurden Mitte des 18. Jahrhunderts breit diskutiert. „Die Conquista hat vor dem Hintergrund der zeitgenössischen aufklärerischen Debatte um Religionsfreiheit und Religionskritik viele beschäftigt“, erläutert Kuratorin Ruth Müller-Lindenberg. „Und natürlich lassen sich die beiden Herrschergestalten Moctezuma und der spanische Conquistador Cortez, so wie Friedrich sie konzipiert hat, auch verstehen als zwei Exempel für den Umgang mit der Macht, für die Kunst des guten und richtigen Regierens.“

Die aufklärerische Debatte um die Conquista wird in der Ausstellung mit Schriftstücken aus der Zeit Friedrichs und mit bildlichen Darstellungen der Begegnung zwischen dem Aztekenkaiser und dem spanischen Conquistador Cortez thematisiert. Überdies sind auch bedeutende Originalzeugnisse und Objekte aus der Zeit des historischen Moctezuma zu sehen, die aus der Aztekischen Sammlung des Ethnologischen Museums stammen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung steht jedoch das Operngeschehen. Bislang unveröffentlichte Originaldokumente aus dem Geheimen Staatsarchiv zu Entstehung, Erstaufführung und Rezeption der Oper „Montezuma“ geben überraschende Einblicke in die Tätigkeit des Königs als Librettist und Opernintendant. Aus den Quellen wird rekonstruiert, wie italienische Primadonnen, Kastraten und französische Tanzstars engagiert wurden. Dokumentiert wird auch die Qualität der königlichen Hofkapelle, der Szenographen und Bühnenarchitekten. Der Besucher erhält ein eindrucksvolles Bild davon, wie ambitioniert der preußische König auf all diesen Gebieten die besten Kräfte Europas zusammengeholt hat – und wie viel er sich dies hat kosten lassen; auch das ist in der Ausstellung detailreich belegt.

Hinzu kommen zahlreiche Objekte, die die Hofoper für heutige Augen und Ohren sinnlich erfahrbar machen: Bühnenbildentwürfe von Giuseppe Galli Bibiena, eine Replik des berühmten Dalbergschen Bühnenmodells, ja sogar die prunkvollen Schuhe der Barbarina, der bestbezahlten Ballerina Friedrichs. Schließlich können die Besucher anhand großer funktionsfähiger Nachbauten der Geräusch- und Effektmaschinen, mit denen die Bühnentechnik vor 300 Jahren gearbeitet hat, selbst die Fiktion von Regen, Wind und Donner auf der Bühne des Ausstellungssaals erzeugen.

Nicht zuletzt sind auch historische Musikinstrumente aus der Zeit Friedrichs zu sehen und über den begleitenden Audioguide zu hören, die zur Sammlung des Musikinstrumenten-Museums gehören: originale Traversflöten, auf denen Friedrich selbst musiziert haben soll, das berühmte Reisecembalo des Pariser Erfinders Jean Marius, das seine Großmutter Sophie Charlotte aus Paris geschenkt bekommen hatte, sowie weitere Blas- und Streichinstrumente des höfischen Orchesters um die Mitte des 18. Jahrhunderts.

Die Ausstellung wurde unter anderem durch zahlreiche Leihgaben aus anderen Häusern der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ermöglicht: beteiligt sind das Ibero-Amerikanische Institut, das Geheime Staatsarchiv, die Staatsbibliothek und mehrere Häuser der Staatlichen Museen. Begleitend finden spezielle Programme für Kinder, Konzerte, Vorträge und ein wissenschaftliches Symposium statt.

Die Ausstellung wird am 26. Januar 2012 eröffnet. Am Abend dieses Tages und am 28. Januar findet in der Staatsoper im Schillertheater eine konzertante Aufführung der Oper „Montezuma“ statt.

(pt/wa)

http://www.mim-berlin.de/

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