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Nahaufnahme Schostakowitsch

18. November 2011 - 08:00 Uhr

Sonntag, 20. November 2011 / 11:00 – 12:00 Uhr
BR-alpha

Dokumentation (Deutschland/2006) Der Film "Nahaufnahme Schostakowitsch" geht dem Schicksal des Komponisten anhand seiner von ihm selbst in seiner Musik versteckten, mehr oder weniger verschlüsselten Hinweise nach.

D. Schostakowitsch

Die Grundzüge seiner Musik – Komik, Sarkasmus, Groteske und schließlich ein alles überdeckender Pessimismus – sind auch die Charaktereigenschaften, die den Menschen Dmitri Schostakowitsch auszeichnen. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Element des Grotesken. Dieses Charaktermerkmal zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Werk und Leben des Komponisten. Schostakowitsch führt durch einen Vergnügungspark: vorbei an Karussell, Achterbahn, Riesenrad, Spiegelkabinett, Geisterbahn – alles unter den wachsamen Augen der Polizei.

Die grotesken Elemente in Schostakowitschs Musik sind mächtige Mittel, um das Leben künstlerisch zu verstehen. Die Zeit des großen Terrors in den dreißiger Jahren war so unvorstellbar grausam, dass man sich ihr nur noch über groteske Verzerrung nähern kann. Der Film unternimmt eine Achterbahnfahrt durch Schostakowitschs Innenleben, eine rasante Kurvenfahrt durch seine widersprüchlichen Charaktereigenschaften – eine überaus bedrohliche, aggressive, groteske Welt, ein Totentanz. Als erzählerische Grundlage des Films dienen sparsam dosierte Interviews, bei denen die Aussagen der Familienmitglieder – Witwe, Tochter, Sohn – im Mittelpunkt stehen, ergänzt durch Gespräche mit den bedeutenden Musikern und engen Freunden Kurt Sanderling, Solomon Volkov und Rodion Schedrin.

Visuelle Grundlage ist das umfangreiche Archivmaterial, das Schostakowitsch in dem Zeitraum 1934 bis 1975 bei offiziellen Anlässen zeigt – wenn er wie ein Automat vorgefertigte Reden abliest – bis hin zu Amateurmaterial aus den sechziger und siebziger Jahren. Als Überleitung und Ruhepunkt zwischen diesen vielfältigen visuellen Elementen dienen Aufnahmen des heutigen Russland. Der Film versucht, ein möglichst emotionales Porträt des Komponisten zu zeichnen, ihn weder als Opportunisten zu verurteilen noch als Dissidenten zu feiern. Stattdessen wird nachvollzogen, wie sich der durch seine grotesken Verzerrungen alles Traditionelle negierende jugendliche Starkomponist zu dem maskenhaften Staatskomponisten entwickeln konnte, dessen Wesen in erster Linie als pessimistisch zu bezeichnen ist.

(pt)

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