Bayreuther "Ring" geschlossen – Gemischte Reaktionen auf "Götterdämmerung"

01. August 2016 - 09:41 Uhr

Bayreuth – Regisseur Frank Castorf und das Bayreuther Publikum werden wohl keine dicken Freunde mehr. Nach einem weitgehend gefeierten "Rheingold", einer wohlwollend aufgenommenen "Walküre" und einem von vielen Zuschauern gnadenlos ausgebuhten "Siegfried" löste die "Götterdämmerung" am Sonntagabend gemischte Reaktionen aus. In überwiegende Begeisterung mischte sich beim Schlussapplaus deutlich hörbarer Protest.

Festspielhaus Bayreuth

Festspielhaus Bayreuth

Castorfs "Götterdämmerung" blieb eine Ansammlung teils amüsanter, teils bizarrer Ideen und spannend anzuschauender, oft aber nur bedingt aussagekräftiger Bilder. Ein starker Moment: Hinter dem nach dem Vorbild des Künstlers Christo verhüllten Reichstag erscheint die New Yorker Börse und damit die durchaus berechtigte Frage, wer eigentlich die Macht hat in diesem Land. Schließlich geht es im "Ring" um die Gier.

Das Öl als Gold unserer Zeit habe er in seinem "Ring" in den Mittelpunkt stellen wollen, hatte Castorf im ersten Jahr seiner Inszenierung 2013 gesagt. Spätestens in Teil vier wird das angebliche Grundthema aber zur Farce. Dass die Rheintöchter irgendwann zum Ende hin den Ölstand ihres Cabrios checken, ist ebenso amüsant wie angebracht.

Der Regisseur zeigte sich zwar nicht dem Publikum, als der Vorhang fiel, vereinzelte Buhs musste sich aber – selten in Bayreuth – der Dirigent anhören: Marek Janowski am Pult trat als Nachfolger von Publikumsliebling Kirill Petrenko aber auch in große Fußstapfen.

Ausnahmslos wurden die Sänger gefeiert, besonders Catherine Foster als Brünnhilde, für die vereinzelte Zuschauer beim Schlussapplaus sogar aufstehen. Sie steigert sich als liebende Kämpferin in Bayreuth nicht nur von Jahr zu Jahr, sondern auch von Aufführung zu Aufführung. In der "Götterdämmerung" war sie sogar noch besser als vorher in der "Walküre" und im "Siegfried".

Auch Albert Pesendorfer als Hagen begeisterte; und das, obwohl er ganz kurzfristig für den erkrankten Stephen Milling eingesprungen ist. Er stach in der Publikumsgunst sogar noch Siegfried-Darsteller Stefan Vinke aus, der nicht ganz an seine starke Leistung im "Siegfried" anknüpfen konnte.

Wenn Wagner-Fans in diesen Tagen Festival-Karten suchen – direkt vor den wie immer ausverkauften Vorstellungen oder in Tauschbörsen – für Castorfs "Ring"-Interpretation interessieren sie sich seltener. Karten für den Zyklus seien weniger stark gefragt, hatte der neue Geschäftsführer der Bayreuther Festspiele, Holger von Berg gesagt. Er führte das vor allem darauf zurück, dass "Ring"-Tickets nunmal im Viererpack zu haben sind. "Das kostet richtig viel Geld."

Doch der Preis scheint nicht das einzige Problem zu sein. Castorf und das Publikum der Bayreuther Festspiele werden wohl einfach keine dicken Freunde mehr. Zwar fallen die Reaktionen auf seine umstrittene, teils bizarr anmutende Produktion in ihrem vierten Jahr längst nicht mehr so leidenschaftlich aus wie noch zu Beginn – restlose Begeisterung aber ist anders.

Am (heutigen) Montagabend endet die Bayreuther Premierenwoche mit einer Aufführung von "Tristan und Isolde", bei der Festspielleiterin Katharina Wagner selbst Regie führt.

(Von Britta Schultejans, dpa/MH)

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