SHMF: Intendant zieht "extrem positives Resümee"

26. August 2016 - 13:42 Uhr

(Korrespondentenbericht)

Kiel/Lübeck – Das Jubiläum 30 Jahre Schleswig-Holstein Musik-Festival ist in diesem Sommer nach Ansicht von Intendant Christian Kuhnt mit neuen Konzertformen, einem begeisterten Publikum und oft ausverkauften Vorstellungen eindrucksvoll gelungen. "Wir ziehen ein extrem positives Resümee", sagte Kuhnt am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. Die Joseph Haydn (1732-1809) gewidmete Komponistenretrospektive und das Solistenporträt des Pianisten Sir András Schiff mit zehn ausverkauften Konzerten hätten das Profil des bundesweit größten Klassik-Festivals weiter geschärft. "Dieses Solistenporträt hat Festivalgeschichte geschrieben."

Christian Kuhnt

Christian Kuhnt

Mit 151.000 Besuchern (84 Prozent Auslastung) sei zwar kein neuer Besucherrekord wie 2014 und 2015 gelungen (zuletzt 154.000 Besucher). Dies sei auch nicht zu erwarten gewesen, da viele kammermusikalische Konzerte in oft ausverkauften, aber kleineren Hallen auf dem Programm standen. Das habe man schon vorher einkalkuliert.

"Entscheidend ist, ob wir unsere selbstgesteckten Ziele erreicht haben – und die haben wir sogar übertroffen." "Wir wollten uns bei 150.000 einpendeln, und das haben wir mal wieder gut geschafft." Er sei sehr zufrieden. Die Auslastung von 84 Prozent nannte Kuhnt einen Superwert: "Wenn die Batterie meines Handys bei 84 Prozent ist, dann mache ich mir keine Sorgen", sagte er lachend.

Mit der spektakulären Aufführung von Joseph Haydns Oratorium "Die Schöpfung" in der Kieler Sparkassenarena klingt am Sonntag (28. August) das Festival aus. Sir Roger Norrington dirigiert das NDR Elbphilharmonie Orchester, dazu singt der Festivalchor.

Seit dem 2. Juli gab es 178 Konzerte, fünf Musikfeste auf dem Lande und zwei Kindermusikfeste. Die Festivalregion reichte von Süddänemark bis zum nördlichen Niedersachsen, 57 Orte mit 104 Spielstätten, darunter Kirchen, Herrenhäuser, Reithallen, eine ehemalige Eisengießerei und das Gelände der Landesgartenschau in Eutin (Kreis Ostholstein)

Zum bundesweiten Stellenwert des SHMF sagte Kuhnt: "Wir bleiben das größte Konzertfestival, das sich vordringlich der klassischen Musik widmet, mit der Anzahl von Konzerten, mit der Bespielung der Fläche – 104 verschiedene Spielstätten, das hat, glaube ich, kein anderes Festival auf der ganzen Welt."

Planungen für 2017 laufen bereits

Das Solistenporträt nach der Cellistin Sol Gabetta und dem Perkussionisten Martin Grubinger mit dem eher stillen Künstler András Schiff fortzusetzen, "war ein Rieserfolg, unglaublich gut gelungen und originell – das wollen wir als Festival auch immer sein. Wir streben eine große Originalität an, um unser Profil weiter zu schärfen. Dieses Solistenporträt hat Festivalgeschichte geschrieben."

András Schiff

András Schiff

Das gelte ähnlich für die Retrospektive. Durch die Interpretationen von Künstlern wie Giovanni Antonini, Ton Koopman oder Thomas Hengelbrock habe das SHMF "musikalische Maßstäbe gesetzt und das erreicht – was uns so wichtig war: die Musik von Joseph Haydn herauszuholen aus dem Schatten von Mozart und Beethoven."

Mit 4.800 Besuchern in Kiel feierte die französische Sängerin Zaz ("Je Veux") das publikumsstärkste SHMF-Einzelkonzert. Mehrere tausende Besucher lockten auch die beiden "E.T."-Filmaufführungen mit der live dazu vom Festivalorchester gespielten Filmmusik in Neumünster an. "Damit haben wir auch wieder ein ganz neues Publikum ansprechen können."

Besondere Höhepunkte waren die beiden mit je 1.400 Besuchern ausverkauften Konzerte "Big Seasons" als große Geburtstagsfeier zum 30. Geburtstag des SHMF in der Carlshütte in Rendsburg-Büdelsdorf. Sie seien als Gesamtkunstwerk angelegt gewesen, betonte Kuhnt: Bildende Kunst, Musik, aber auch Literatur, die der Schauspieler Klaus Maria Brandauer selbst auswählte – Texte von Haydn, aber auch Goethe oder Rilke.

Zum Wetter erklärte Festivalsprecherin Bettina Brinker: "Wir kommen mit dem norddeutschen Wetter gut zurecht." Die meisten Tickets gingen ohnehin im Vorverkauf weg. "Und an den Wochenenden mit den Musikfesten auf dem Lande gab es in diesem Sommer meist noch einigermaßen passables Wetter, aber viele picknicken dann halt auch unterm Regenschirm."

Für 2017 sind die ersten Pflöcke bereits eingeschlagen. Der Landeszuschuss und die Sponsorengelder seien gesichert. Welchem Komponisten im nächsten Sommer die Retrospektive gewidmet wird, will Kuhnt am Sonntag verkünden.

(Von Matthias Hoenig, dpa/MH)

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