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Kontrollierter Klangrausch: Nelsons bei den Berliner Philharmonikern

10. September 2016 - 14:10 Uhr

Berlin (MH) – Mit Werken von Claude Debussy, Edgard Varèse und Hector Berlioz ist Andris Nelsons am Freitagabend ans Pult der Berliner Philharmoniker zurückgekehrt. Sein energiegeladenes Dirigat begeisterte das Publikum, das dem Letten in der Philharmonie mit "standing ovation" dankte.

Andris Nelsons

Andris Nelsons

In atmosphärischer Dichte entfaltete sich Debussys Orchesterstück "Prélude à l’après-midi d’un faune" nach dem gleichnamigen Gedicht von Stéphane Mallarmé. Nelsons' raumgreifende, geschmeidige Gesten verliehen dem Flöte spielenden Faun eine starke Körperlichkeit, ohne den lyrischen Zauber der sinfonischen Dichtung zu unterdrücken. Im Gegensatz dazu stand die klanggewaltige Komposition "Arcana" von Edgard Varèse, einem der wichtigsten Vertreter der experimentellen Moderne. Während sich der Orchesterklang in immer neuen Klangeruptionen entlud, setzten vor allem die Bläser schrille Akzente.

Höhepunkt des Konzerts war Berlioz' "Symphonie fantastique", die die Geschichte eines dem Opium verfallenen, unglücklich verliebten Musikers schildert. Unter Nelsons spannungsgeladenem, kontrolliertem Dirigat bot das souverän musizierende Orchester im Großen Saal der Philharmonie einen spektakulären Raumklang dar, der sich im Schlusssatz ("Traum einer Sabbatnacht") zu einem wahren Rausch steigerte. Nelsons' Lesart der Symphonie ließ freilich so manche subtile Schattierung vermissen, die etwa Claudio Abbados Interpretation des Werks bei seinen letzten Philharmoniker-Konzerten im Mai 2013 ausgezeichnet hatten. Diese Unterschiede wurden beispielsweise bei dem Walzer im zweiten Satz ("Ein Ball") deutlich.

Mit ihrem Konzertmeister Daishin Kashimoto präsentierten sich die Philharmoniker, insbesondere die hervorragenden Solo-Instrumentalisten, auch unter Nelsons in Bestform. Zu den besonders berührenden Momenten gehörte sicherlich der Dialog der beiden Schäfer im dritten Satz ("Szene auf dem Land"), eindrucksvoll gestaltet von dem Englischhornisten Dominik Wollenweber und dem Oboisten Albrecht Mayer, der dieses Solo außerhalb der Bühne spielte.

Seit seinem Debüt bei den Philharmonikern 2010 wurde Nelsons wiederholt als Gastdirigent eingeladen, zuletzt im vergangenen April, als Werke von Richard Wagner und Anton Bruckner auf dem Programm standen. Seit 2014 ist der jetzt 37-Jährige Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra. Im Februar 2018 tritt er außerdem in Leipzig die Nachfolge von Riccardo Chailly als Gewandhauskapellmeister an.

(Von Corina Kolbe)

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