"Hannover Proms" begeistert Hannoveraner – Dirigent Manze ist Star des Abends

11. September 2016 - 12:35 Uhr

Hannover (MH) – Mit gleich mehreren kraftvollen Paukenschlägen katapultierte die NDR Radiophilharmonie die Zuhörer der "Hannover Proms" am Samstagabend mitten in die amerikanische Musikgeschichte. Doch die Reise über den Atlantischen Ozean vollzog sich nicht nur akustisch durch den auf Opulenz bedachten Stil von Aaron Coplands "Fanfare für the Common Man", sondern auch visuell: Mit entsprechender Beleuchtung in Anlehnung an das "Star-Spangled Banner" bot der Kuppelsaal des Hannover Congress Centrums eine synästhetische Bühne für den bevorstehenden Stilmix aus amerikanisch geprägter Klassik, Jazz und Unterhaltungsmusik. Dass Copland auch zarte Töne anschlagen kann, bewiesen der Mädchenchor Hannover sowie der Johannes-Brahms-Chor Hannover als schmückendes Beiwerk mit dem amerikanischen Traditional "At the River".

Andrew Manze

Andrew Manze

Über aufrichtige Begeisterung und Sympathiebekundungen in Form von anerkennendem Gelächter freute sich an diesem kurzweiligen Abend vor allem der britische Dirigent Andrew Manze. Immer wieder forderte er sein Publikum zu kuriosen Mitmachaktionen auf. So wurden die Besucher bei Edward Elgars "Pomp and Circumstance" selbst zu einem gigantischen Chor. "Machen Sie es bitte gut!", mahnte Manze scherzhaft – schließlich wurde das Programm nicht nur live in den angrenzenden Stadtpark, sondern auch im NDR-Fernsehen übertragen. Vergnügt ließ sich das Publikum im ausverkauften Kuppelsaal von den Entertainer-Qualitäten Manzes mitreißen. Das musikalische Geschehen jedoch rückte zeitweise zugunsten der gelösten Atmosphäre allzu sehr in den Hintergrund.

Für Highlights musikalischer Art hingegen sorgten der Jazzpianist Makoto Ozone und die Sopranistin Angel Blue. Jazz und Klassik verschmolzen nicht nur in Gershwins "Rhapsody in Blue", sondern manifestierten sich auch in Ozones Spiel. Dass das Stück ganz in der Tradition des klassischen Klavierkonzerts steht, stellte der Pianist mit ausdauernden Soli in atemberaubender Geschwindigkeit eindrücklich unter Beweis. Von seinen Mitspielern wurde er mit anerkennendem Lächeln gewürdigt, die Zuhörer bedachten ihn mit frenetischem Jubel und Bravo-Rufen. Ein zartes Band zum Publikum knüpfte die stets strahlende Angel Blue mit ihrer makellosen Interpretation von Irving Berlins "God bless America". Ihre Gestik und Mimik sowie der verträumte Blick in ungeahnte Sphären unterstrichen das typisch amerikanische Pathos.

Nicht zuletzt mit Leonard Bernsteins "Mambo" und Samuel Barbers "Adagio for Strings" demonstrierte das Orchester seine außerordentliche Wandelbarkeit. Das Changieren zwischen feurigem Temperament und fragiler Atmosphäre gelang den Musikern mühelos.

(Von Anne Reck)

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