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Funkensprühendes Dirigat: Petrenko zurück in Berlin

15. September 2016 - 08:56 Uhr

Berlin (MH) – Ein fulminanter Auftritt Kirill Petrenkos am Pult des Bayerischen Staatsorchesters hat in der Berliner Philharmonie Begeisterungsstürme ausgelöst. Nach längerer Abwesenheit kehrte der 44-jährige Generalmusikdirektor des Münchner Opernorchesters in die Hauptstadt zurück. Der designierte Chefdirigent der Berliner Philharmoniker präsentierte am Mittwochabend ein brillant durchdachtes Programm, das sich von György Ligeti über Béla Bartók bis zu Richard Strauss spannte. Mit dem Duisburger Geiger Frank Peter Zimmermann stand ihm ein herausragender Solist zur Seite.

Kirill Petrenko

Kirill Petrenko

Bereits die ersten zarten Töne von Ligetis atmosphärisch dichtem Stück "Lontano" versetzten den Saal in eine Art Schwebezustand. Petrenko gelang es meisterhaft, den fließenden, fein ausbalancierten Klang an- und wieder abschwellen zu lassen. Die Musik, die sich gleichsam wie aus der Ferne kommend entfaltet, verschwindet schließlich im Nichts. Als Petrenko am Ende reglos innehielt, um der Stille nachzulauschen, fühlte man sich fast an den ehemaligen Philharmoniker-Chef Claudio Abbado erinnert.

Verhalten beginnt Bartóks 1. Konzert für Violine und Orchester im Eingangssatz "Andante sostenuto" mit einer Kantilene des Solisten. Frank Peter Zimmermann, unbestritten einer der besten Geiger der Welt, interpretierte seinen Part souverän und einfühlsam. Das Orchester, von Petrenko hier mit sparsamen Gesten geleitet, gestaltete einen wunderbar transparenten und filigranen Klang. Der Dialog von Solo-Violine und Orchester beeindruckte auch im zweiten Satz "Allegro giocoso", in dem lebhafte Akzente gesetzt werden.

Als energiegeladener Charismatiker zeigte sich Petrenko bei der "Symphonia Domestica", für die Strauss Szenen aus seinem häuslichen Leben vertonte. In diesem heute eher selten gespielten Werk werden den Familienmitgliedern auf originelle Weise unterschiedliche Instrumentenstimmen zugeordnet. Auch wenn die Sinfonie insgesamt etwas sperrig wirkt, sorgte das elektrisierende, tänzerisch anmutende Dirigat bis zum letzten Moment für Hochspannung.

Mit den Berliner Philharmonikern, die er bisher erst drei Mal (2006, 2009 und 2012) dirigiert hat, wird Petrenko im kommenden März an zwei Abenden Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, John Adams und Peter Tschaikowsky aufführen. Sein Amt als Nachfolger von Sir Simon Rattle wird er im Sommer 2019 übernehmen. Bis 2021 bleibt er zudem Generalmusikdirektor des Bayerischen Staatsorchesters. In gleicher Position wirkte er bereits von 2002 bis 2007 an der Komischen Oper Berlin.

(Von Corina Kolbe)

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