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Im Rausch der Rache: Grandiose "Elektra"-Premiere

23. Oktober 2016 - 23:53 Uhr

Berlin (MH) – Agamemnons Mörder sind tot, der Zirkel der Gewalt hat sich geschlossen. Ekstatisch tanzend irrlichtert Elektra über die Bühne, bis sie zum Schluss entkräftet zusammenbricht. Drei Jahre nach dem Tod des französischen Starregisseurs Patrice Chéreau hat seine letzte Regiearbeit, die Oper "Elektra" von Richard Strauss, an der Staatsoper Berlin Premiere gefeiert. Erstklassige Solisten und die unter Leitung von Daniel Barenboim hervorragend musizierende Staatskapelle ließen die Aufführung am Sonntagabend zu einem Erfolg auf allen Linien werden.

"Elektra"

"Elektra"

Auf der minimalistisch gestalteten Bühne, die den Hof des Palasts von Mykene zeigte, lenkten keine überflüssigen Details von der Musik ab. Wie bei der ersten Aufführung in Aix-en-Provence im Sommer 2013 waren Evelyn Herlitzius in der Titelpartie, Waltraud Meier als Klytämnestra und Adrianne Pieczonka als Chrysothemis zu erleben. Auch in Berlin erwies sich diese Besetzung als ideal.

Strauss' Oper, zu der Hugo von Hofmannsthal das Libretto verfasste, lehnt an die Tragödie des griechischen Dichters Sophokles an. Einsam wartet Elektra seit Jahren auf ihren Bruder Orest, der den Tod des Vaters rächen soll. Agamemnon wurde von seiner Frau Klytämnestra und ihrem Geliebten Aegisth erschlagen, als er aus dem Trojanischen Krieg zurückkehrte. Elektras stimmgewaltige Dialoge mit der zaudernden Schwester Chrysothemis und die hasserfüllten Tiraden gegen die heuchlerische Mutter zogen das Berliner Publikum in ihren Bann. Einer der großen Höhepunkte war das Zusammentreffen von Elektra und des zurückgekehrten Orest, der schließlich die blutige Rache vollzieht. Michael Volle verkörperte die Partie mit dramatischer Intensität. In einer Nebenrolle war die weltbekannte Sopranistin Cheryl Studer zu hören, die 1989 als Chrysothemis bei den Salzburger Festspielen debütiert hatte.

Unter Leitung ihres Generalmusikdirektors verlieh die Staatskapelle dem Werk durch eine klanglich fein differenzierte Umsetzung höchste Plastizität. Auch in Momenten, in denen sich der Orchesterklang bedrohlich steigerte, blieb unter dem kundigen Dirigat Barenboims alles kontrolliert in der Balance. Nach der Aufführung, die das Haus dem Andenken an Chéreau widmete, erhielten alle Mitwirkenden stürmischen Beifall. Der Regisseur hatte 1993 mit einer Inszenierung von Alban Bergs Oper "Wozzeck" an der Staatsoper debütiert. "Elektra" entstand als Koproduktion mit dem Teatro alla Scala di Milano, der Metropolitan Opera New York, der Finnish National Opera Helsinki und dem Gran Teatre del Liceu Barcelona.

(Von Corina Kolbe)

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