Anzeige

Anzeige

Naganos Kinderlieder

08. Dezember 2011 - 10:22 Uhr

Sonntag, 11. Dezember 2011 / 08:00 – 09:00 Uhr
NDR Fernsehen

Als der weltberühmte Dirigent Kent Nagano traditionelle japanische Kinderlieder hörte, wollte er sie vor dem Vergessen bewahren. Er war berührt von diesen Liedern, der Musik und den Texten, und forschte nach ihrem Ursprung. In Japan bezeichnet man sie auch als "Shoka", Schullieder. Sie basieren auf der Lyrik bekannter japanischer Dichter und orientieren sich an der westlichen Musiksprache. Nagano beschloss, sie zeitgemäß zu interpretieren und mit einem großen Orchester aufzuführen.

Naganos Kinderlieder

Die Songs sind während und nach der Meiji-Restauration – Ende des 19. und im 20. Jahrhundert – entstanden. Japan öffnete sich dem Westen nach fast 250 Jahren der Abgeschlossenheit. In den Texten geht es mal um die einfachen Dinge des Alltags, dann werden die Fremden besungen, die ins Land kommen, oder auch die Japaner, die ins Ausland gehen, um der Armut zu Hause zu entgehen – so wie auch der Großvater von Kent Nagano vor neun Jahrzehnten aus Japan in die USA ausgewandert ist.

Doch die Tradition, Kindern Lieder vorzusingen, stirbt in Japan ebenso aus wie hierzulande. Damit drohte einem wichtigen Stück Kulturgeschichte der Untergang. Kent Nagano wollte die Kinderlieder vor dem Vergessen bewahren. Er sammelte so viele Kinderlieder wie möglich, wollte sie aber nicht nur konservieren. Kent Nagano beschloss, sie zeitgemäß zu interpretieren und mit einem großen Orchester aufzuführen. Der französische Komponist Jean-Pascal Beintus, der unter anderem die Filmmusik für "Coco Chanel" komponierte, arrangierte die Kinderlieder neu für ein großes Orchester.

Der Hamburger Gestaltungskünstler Peter Schmidt, der mehr als 100 Parfümflakons, Logos und Verpackungen entworfen hat und mit seiner Arbeit für Luxusmarken zu einem Star im Designgeschäft wurde, schuf die Animationen zu den Kinderliedern. Sein Leben lang hat sich Peter Schmidt für Japan interessiert und für seine ästhetische Tradition begeistert. Er ist insofern ein kongenialer Partner. Im Februar 2010 wurden "Naganos Kinderlieder" zum ersten Mal in Montreal aufgeführt, in der Konzertreihe "Mysteries of Japan" des Orchestre Symphonique de Montréal.

Die Hamburger Regisseurin Nadja Frenz hat Kent Nagano, Peter Schmidt und Jean-Pascal Beintus zwei Jahre lang mit der Kamera begleitet, von Hamburg über Zürich, Paris und Tokio bis nach Montreal. Die Künstler gewährten exklusiven Zugang zu ihrem Projekt. Daraus ist diese Filmdokumentation entstanden, die die schönsten der neu arrangierten Kinderlieder und ihre Visualisierung enthält.

(pt/wa)

Mehr zu diesen Schlagwörtern: , , , ,
Print Friendly
Andere Beiträge