Andrang vor Berliner Konzert von afghanischem Frauenorchester

30. Januar 2017 - 13:15 Uhr

(Korrespondentenbericht)

Berlin (MH) – Der Auftritt des ersten und bislang einzigen afghanischen Frauenorchesters "Zohra" in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin hat am Sonntagabend einen Besucheransturm ausgelöst. Nach Schätzungen des Veranstalters warteten auf dem Breitscheidplatz zeitweise bis zu 2.500 Menschen darauf, in die Kirche eingelassen zu werden. Im Innenraum stehen nach Angaben auf der Website der Kirchengemeinde aber nur etwa 1.000 Sitzplätze zur Verfügung.

"Zohra" in der Berliner Gedächtniskirche

"Zohra" in der Berliner Gedächtniskirche

Während des Konzerts, das wegen des großen Andrangs mit Verspätung begann, präsentierten sich erstmals in Deutschland mehr als 30 Schülerinnen des Afghan National Institute of Music (ANIM) gemeinsam mit zehn Schülerinnen und Schülern vom Hochbegabtenzentrum der Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar.

"Wir sind hier, um die Rückkehr der Musik nach Afghanistan zu feiern", sagte Ahmad Sarmast, Gründer und Direktor von ANIM, bei der Begrüßung des Publikums. "Dieses Konzert ist wichtig für die Beziehungen unseres Landes zur internationalen Gemeinschaft. Wir hoffen, dass Afghanistan nicht mehr nur als Ort der Gewalt wahrgenommen wird."

Auf westlichen und afghanischen Instrumenten spielte das Ensemble Volksmusik aus Afghanistan sowie eine Bearbeitung des vierten Satzes aus der Neunten Sinfonie von Ludwig van Beethoven. Auf dem Programm stand außerdem die Auftragskomposition "Neuer Morgen" von Sadie Harrison, die am 20. Januar bei der Jahresversammlung des Weltwirtschaftsforums (WEF) im schweizerischen Davos uraufgeführt worden war.

In farbenfrohe Gewänder gekleidet, saßen einige Mädchen auf dem Bühnenboden und interpretierten volkstümliche Melodien auf traditionellen Instrumenten wie Rubab, Tabla und Sitar. Mitschülerinnen aus Kabul und die Jugendlichen aus Weimar spielten westliche Streich- und Blasinstrumente.

Am Orchesterpult wechselten sich die afghanischen Dirigentinnen Zarifa Adiba und Negin Khpolwak mit dem US-Amerikaner Kevin Bishop ab, der an dem Institut in Kabul unterrichtet. "Ich weiß, ich lebe gefährlich", sagte Khpolwak kürzlich in einem Interview des in Zürich erscheinenden "Tages-Anzeigers". "Wir müssen kämpfen, gegen die Gesellschaft, oft auch gegen unsere eigenen Familien." Institutsdirektor Sarmast, der bei einem Anschlag in Kabul schwer verletzt wurde, berichtete in der ARD von ständigen Morddrohungen gegen seine Schülerinnen.

Die vom WEF unterstützte Tournee führte von Davos über Zürich und Genf nach Berlin. Zu den Projektpartnern gehört auch die Fakultät Musik der Berliner Universität der Künste (UdK). Am Dienstag soll "Zohra" im Großen Saal des Weimarer Musikgymnasiums Schloss Belvedere auftreten, wo das Hochbegabtenzentrum seinen Sitz hat.

(Von Corina Kolbe)

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http://www.anim-music.org/girls-ensemble/

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