Jubel für Europa-Premiere von Mostels "Babar auf Reisen" in Berlin

26. Februar 2017 - 16:50 Uhr

Berlin (MH) – In einem dottergelben Ballon steigt das frisch getraute Elefantenkönigspaar Babar und Celeste in den knallblauen Himmel auf. Bei ihrer turbulenten Hochzeitsreise stranden sie auf einer einsamen Insel, landen in einem Zirkus und fliehen schließlich in Richtung Heimat, wo gerade die Nashörner das Kriegsbeil ausgegraben haben. Unter dem Jubel zahlreicher junger Zuschauer hat Raphael Mostels fantasievolle Vertonung von Jean de Brunhoffs Kindergeschichte "Babar auf Reisen" am Sonntag in Berlin ihre europäische Erstaufführung erlebt.

Familienkonzert "Babar auf Reisen"

Familienkonzert "Babar auf Reisen"

Eine neue HD-Version der ebenfalls von dem amerikanischen Komponisten konzipierten Diashow mit Original-Aquarellen des Autors wurde im ausverkauften Kammermusiksaal der Philharmonie sogar in einer Weltpremiere präsentiert. Stanley Dodds, der bei den 2. Violinen der Philharmoniker spielt, dirigierte das Familienkonzert. Neben seinem Bratscherkollegen Martin von der Nahmer und Gastmusikern beteiligten sich auch Stipendiaten der Orchesterakademie. Der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz trat als Erzähler auf.

Anders als etwa in Sergej Prokofjews Musikmärchen "Peter und der Wolf" sind die Instrumente in Mostels Stück nicht durchgehend bestimmten Figuren zugeordnet. Während farbenfrohe Bilder über drei an den oberen Rängen installierte Monitore liefen, übersetzte das Kammerensemble die von Schatz in einer Neuübersetzung vorgetragene Geschichte in 46 musikalischen Szenen höchst plastisch in Töne. Als sich Babar und Celeste vor der Ballonreise von der Familie verabschiedeten, spielte das Fagott beispielsweise eine melancholische Melodie. Der Klang der Instrumente schwoll bedrohlich an, als der Ballon in einen Sturm geriet und notlanden musste. Das Tasteninstrument Celesta gab Königin Celeste eine Stimme. Das Cello wurde zum Nashorn, die Posaune zur Dampfersirene. Neben Klarinette, Kornett, Posaune, Viola und Klavier kamen außerdem Schlagzeug, Vogelpfeife, Regenmacher und Heulschläuche zum Einsatz.

Die Berliner Premiere erinnerte an den 85. Jahrestag der ersten Buchveröffentlichung von "Babar auf Reisen" in Frankreich sowie an den 80. Todestag von Jean de Brunhoff, der den Tieren in seinen Erzählungen menschliche Züge verlieh. Mostel feiert mit seinem Babar-Projekt seit den Neunzigerjahren Erfolge, vor allem in den USA und Kanada. Neben Francis Poulenc ist er der einzige Komponist, dem Brunhoffs Erben das Recht auf die Vertonung einer Babar-Erzählung einräumten.

"Von Anfang an wünschte ich mir, ein großes Publikum zu erreichen und den Mangel an musikalischer Bildung in unserer Gesellschaft wettzumachen", sagte der Komponist im Interview mit der Nachrichtenagentur MUSIK HEUTE. "Vielen Menschen fehlt heute ein Schlüssel zum Verständnis von Musik." Beim Komponieren stellte er sich vor, wie ein Kind aus lauter Neugier die Tasten eines Klaviers anschlägt. "Durch solche Experimente habe ich mir selbst das Spielen beigebracht, während ich sprechen lernte", erinnert sich Mostel, der nahe New York aufwuchs. Jean de Brunhoffs Buchillustrationen seien seine größte Inspirationsquelle gewesen. "Auf eine sehr geistreiche Art hat er sich auf das Essentielle konzentriert. Die Bilder in dem Buch sollten nur in drei Farben gedruckt werden. Beim Komponieren wollte ich dasselbe tun. Mein Babar-Stück ist auf grundlegende Elemente wie etwa Tonleitern reduziert. Ich möchte damit zeigen, dass man auch auf ganz einfache Weise Musik machen kann."

Neben der kammermusikalischen Fassung von "Babar auf Reisen" hat Mostel inzwischen auch eine Bearbeitung für großes Orchester geschrieben. Dieses Werk hatte im vergangenen Frühjahr in Kanada mit dem Orchestre Symphonique de Montréal Uraufführung, nachdem es die New Yorker Philharmoniker bereits in Auszügen vorgestellt hatten. Insgesamt ist Mostels Babar-Komposition bisher fast 60 Mal aufgeführt worden. Bei dem ersten gemeinsamen Projekt der New York City Opera mit der Metropolitan Opera Guild lernten Anfang der 2000er Jahre etwa 8.000 Schüler das Stück kennen.

(Von Corina Kolbe)

Mehr zu diesem Thema:

Super-Gau im Breughelland: Ligetis Oper "Le Grand Macabre"
(18.02.2017 – 12:01 Uhr)

Weitere Artikel zu den Berliner Philharmonikern

Links:

http://www.berliner-philharmoniker.de

© MUSIK HEUTE. Alle Rechte vorbehalten – Informationen zum Copyright

Mehr zu diesen Schlagwörtern: , , ,
Print Friendly
Andere Beiträge