Ovationen für Petrenko: Künftiger Chefdirigent brilliert mit Berliner Philharmonikern

23. März 2017 - 13:05 Uhr

Berlin (MH) – Noch bevor Kirill Petrenko den ersten Einsatz gab, brandete in der bis auf den letzten Platz besetzten Philharmonie stürmischer Beifall auf. Die Konzerte, mit denen sich der gebürtige Russe als designierter Chefdirigent der Berliner Philharmoniker vorstellte, waren seit Monaten ausverkauft. Bei seinem ersten Auftritt am Mittwochabend stellte der 45-Jährige eindrucksvoll unter Beweis, dass er den hochgesteckten Erwartungen vollends gerecht werden kann.

Kirill Petrenko

Kirill Petrenko

Am Anfang des mehrere Epochen umspannenden Programms stand Mozarts glanzvolle "Haffner"-Sinfonie. Das 1782 in Salzburg uraufgeführte Werk, das aus einer Serenade entstanden war, entfaltete sich in brillanten Klangfarben. Petrenko verstand es, mit seiner eleganten Gestik auch feinste kammermusikalische Nuancen, etwa bei den Bläserstimmen, plastisch hervorzuheben. Bei der Herausarbeitung der dynamischen Kontraste ließ er den Spannungsbogen nie abreißen, ohne Steigerungen zu forcieren. Der Dirigent und das wie gewohnt kompakt und zugleich transparent musizierende Orchester erschienen bestens aufeinander eingestellt.

Von der Wiener Klassik ging es mit einem großen Sprung in die Gegenwart. In seiner erstmals 1989 aufgeführten Komposition "The Wound-Dresser" übersetzt der US-Amerikaner John Adams Kriegserlebnisse des Lyrikers Walt Whitman in eine düstere Tonsprache, in der Violinen und Bläser schmerzhaft empfundene Akzente setzten. Whitmans Gedichtpassagen wurden von dem österreichischen Bariton Georg Nigl mit zurückgenommener Stimme eindrucksvoll interpretiert.

Höhepunkt des Abends wurde dann Tschaikowskys emotionsgeladene 6. Sinfonie "Pathétique", mit der Petrenko dem Berliner Publikum einen Vorgeschmack auf seinen Umgang mit russischem Repertoire gab. Schon bei den ersten Tönen der von den tiefen Bläsern begonnenen Adagio-Einleitung wurde spürbar, mit welch kraftvoller Intensität Petrenko dieses von dunklen Todesahnungen durchzogene Orchesterwerk neu erlebbar machte. Die an Kontrasten reiche Sinfonie, die auch Zitate aus russischer Kirchen- und Volksmusik enthält, gibt Einblick in eine tief zerklüftete Seelenlandschaft. Sie gipfelt in dem erschütternden "Adagio lamentoso", das nach dem Schlussakkord der tiefen Streicher im Nichts verebbt. Dieser Satz inspirierte später Gustav Mahler zum Finale seiner Neunten Sinfonie, die in einem kaum noch hörbaren Pianissimo erstirbt.

Statt die Stille am Ende der "Pathétique" auf sich wirken zu lassen, konnte das Publikum in der Philharmonie allerdings nicht mehr an sich halten und spendete begeisterten Beifall. Mit Bravo-Rufen und Ovationen im Stehen wurde Petrenko nach diesem fulminanten Debüt als künftiger Orchesterleiter gefeiert.

(Von Corina Kolbe)

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