Kulturzentrum-Chef Wagner: München heimlicher Favorit der Musikszene

03. April 2017 - 12:30 Uhr

München – Wie eine Trutzburg thront der Gasteig oberhalb der Isar in München. Doch der rote Klinkerbau mit den markanten Glasfassaden ist in die Jahre gekommen. Nach mehr als 30 Jahren steht die Sanierung des Hauses an, das nach städtischen Angaben das größte Kulturzentrum Europas ist. 450 Millionen Euro sollen die Arbeiten kosten. Dann hätten die Münchner Philharmoniker endlich eine moderne, akustisch einwandfreie Spielstätte.

Für den neuen Gasteig-Chef Max Wagner ist das unumgänglich, um den Ruf Münchens als Musikstadt zu festigen. Schließlich gibt es neben den Philharmonikern auch das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und die Staatsoper. "Wir können mit den großen Metropolen der Welt mithalten. Man muss den Künstlern aber immer auch optimale Bedingungen bieten", sagte Wagner im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München.

Frage: Mit was für Gefühlen blicken Sie auf den Mittwoch, wenn der Stadtrat über die Sanierung des Gasteig entscheidet?

Max Wagner

Max Wagner

Antwort: Mit freudiger Erwartung. Der erste Schritt ist schon sehr gut gelaufen. Wir hatten am vergangenen Dienstag die gemeinsame Sitzung von Wirtschafts- und Kulturausschuss, und das Projekt ist dort einstimmig angenommen worden. Das ist wunderbar. Wir haben ein Jahr auf diesen Termin hingearbeitet. Es waren so viele Punkte, wo Leute geunkt und gesagt haben: Das kriegt ihr nicht hin, speckt das ab. Schön, dass es nun doch so gut aussieht!

Frage: Wenn die Bauarbeiten etwa ab 2020 starten, wird der Gasteig vier bis fünf Jahre komplett geschlossen sein. Was geschieht dann mit der Philharmonie, der Stadtbibliothek und den anderen Einrichtungen?

Antwort: Wir suchen schon nach einer Interimsphilharmonie, das ist der schwierigste Teil. Die anderen Flächen etwa für die Bibliothek sind leichter zu finden. Das sind Flächen wie für ein Büro, da spielt die Akustik keine Rolle. Für die Ausweichphilharmonie brauchen wir dagegen 6.000 bis 7.000 Quadratmeter Freifläche.

Frage: Was ist Ihr Favorit?

Antwort: Wir haben ein Grundstück im Stadtteil Riem sicher, das ist der Spatz in der Hand. Für uns Münchner ist das gefühlt weit draußen, dabei sind es nur 20 Minuten mit der U-Bahn. Es wäre aber schöner, etwas Zentraleres zu finden.

Frage: Wenn alles läuft wie geplant, wird München in ein paar Jahren einen Konzertsaal haben und den Gasteig mit umgebauter Philharmonie. Was bedeutet das für die Musik- und Kulturszene?

Antwort: München ist ein "hidden champion", ein heimlicher Favorit. In der Welt ist München bekannt: "Where do you come from?" "Munich." "Ah, Oktoberfest. Oder FC Bayern." Das sagt jeder. Für mich geht es darum, das Image mehr in Richtung Kultur zu lenken. Wir haben eines der besten Opernhäuser der Welt, wir haben drei große Orchester und die Museen. Wir können mit den großen Metropolen der Welt mithalten. Man muss den Künstlern aber immer auch optimale Bedingungen bieten.

Frage: Dazu gehört eine gute Akustik, die in der Philharmonie umstritten ist, das hat auch der japanische Spezialist Yasuhisa Toyota festgestellt.

Antwort: Toyota hat festgestellt, dass die Akustik im Saal eigentlich gut ist. Nicht so gut ist sie aber auf der Bühne. Und da, wo der Dirigent steht, ist sie am schlechtesten. Was wir hören, ist aber nur das, wie sich die Musiker auf der Bühne fühlen, deswegen müssen wir da bessere Bedingungen schaffen.

Frage: Wird München durch das neue Konzerthaus und die umgebaute Philharmonie in der Musikszene eine stärkere Zugkraft entwickeln?

Antwort: Sicher. Ich werde dann zwar der erste Geschäftsführer des Gasteig sein, der Konkurrenz hat. Bisher haben wir hier mit der Philharmonie ein Monopol bei großen Konzerten. Zur Zeit sind wir hier zum Teil zwei- bis dreifach belegt am Tag. Wir müssen uns nicht besonders darum kümmern, es klingelt einfach das Telefon. Das wird eine Umstellung sein. Ich finde es deshalb wichtig, dass wir später eng mit dem neuen Konzerthaus zusammenarbeiten. Das wird ein ganz anderer Saal mit 1.800 Plätzen, wir haben 2.400 bis 2.500 Plätze. Da kann ein ganz anderes Repertoire gespielt werden. Wir dürfen uns deshalb nicht nur als Konkurrenten sehen, sondern als gemeinsame Akteure in der Kulturszene.

Frage: Wäre es sinnvoll, den Betrieb beider Säle zusammenfassen?

Antwort: In München gibt es immer noch sehr stark diese Grenze zwischen Staat und Stadt. Wir sind städtisch, der neue Saal wird staatlich betrieben. Ich habe vorgeschlagen, dass wir beides betreiben, schließlich haben wir das Know- how. Aber ich glaube nicht, dass der Freistaat bereit dafür ist, sich eine städtische Betreibergesellschaft vorzustellen.

(Interview: Cordula Dieckmann, dpa)

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