Anzeige

Anzeige

Das Musikwunder von Caracas – El Sistema

09. Januar 2012 - 09:45 Uhr

Dienstag, 10. Januar 2012 / 10:50 – 11:20 Uhr
RBB-Fernsehen

Eine einzigartige Musikausbildung – in Venezuela als "El Sistema" bekannt – feiert mit ihren Schülern Erfolge. Dieses einmalige System hat der Musiker und Wirtschaftswissenschaftler José Antonio Abreu 1975 gegründet. Und es wurde ein Riesenerfolg, nicht nur musikalisch. "Es ist weltweit das wichtigste, was sich derzeit in der klassischen Musik tut", meint Sir Simon Rattle, Dirigent der Berliner Philharmoniker.

Simon Bolivar Jugendorchester

Das Simon-Bolivar-Jugendorchester wird wegen seiner Energie international gefeiert. José Antonio Abreu wollte 1975 Kinder und Jugendliche von der Straße wegholen, armen Kindern und arbeitslosen Jugendlichen durch die Musik einen würdigen Weg in die Gesellschaft ebnen. Und es wurde ein Riesenerfolg, nicht nur musikalisch sondern auch sozial. Heute spielen in Venezuela 260.000 Kinder und Jugendliche klassische Musik. Der Kontrabassist Edicson Ruiz, der in dem Jugendorchester gelernt hat, wurde 2003 festes Mitglied der Berliner Philharmoniker. Auch der Dirigent Gustavo Dudamel ist ein Kind von "El Sistema" – und inzwischen ein Weltstar.

"Die Kinder, die in das Nationale Institut für Minderjährige gebracht werden, haben vielfältige Probleme", erzählt Nancy Carreño, Koordinatorin an der Musikschule Los Chorros. "Sie wurden von den Eltern verlassen, misshandelt oder kommen aus zerrütteten Familien. Sie bleiben solange hier, bis sie gefestigt sind und eventuell zurück können. In der Zwischenzeit halten wir sie von den vielen Gefahren der Straße fern, von Drogen und Prostitution. Denn hier müssen sie täglich vier Stunden proben – von Montag bis Samstag. Das Orchester ist wie eine große Familie für die Kinder. Wahrscheinlich ist der Dirigent ihr Vater, ich ihre Mutter, die Musiklehrer ihre Onkel und die anderen Kinder ihre Geschwister."

"Früher rechnete ich immer damit, nicht älter als 18 zu werden. In diesem Alter starben fast alle meine Freunde. Ich denke, 60 Prozent meiner Freunde waren in diesem Alter schon tot. Ohne "El Sistema" wäre ich ganz einfach tot", erzählt der 24 Jahre alte Lennar Acosta. Edicson Ruiz formuliert es so: "Musik, Kunst, Tanz und Theater haben es geschafft, Menschen zu inspirieren und in ihnen edle Gefühle hervorrufen: Tugenden, Begabungen, und den Wunsch, Gutes zu tun. All dies weckt 'El Sistema' durch die Kunst."

(pt/wa)

Mehr zu diesen Schlagwörtern: , , ,
Print Friendly
Andere Beiträge