Lyon hat "Opernhaus des Jahres" – Größtes Ärgernis sind einzelne Regiearbeiten

29. September 2017 - 12:51 Uhr

(Zusammenfassung – Neu: Mehr Details)

Berlin (MH) – Die Opéra de Lyon unter der Leitung von Intendant Serge Dorny ist "Opernhaus des Jahres" 2017. Bei der aktuellen Umfrage unter 50 Musikkritikern in Europa und den USA wurde erstmals eine Institution in Frankreich gewählt, teilte die Zeitschrift "Opernwelt" am Freitag mit. Das Haus habe international Aufsehen erregt – mit einer klugen, experimentierfreudigen Programmpolitik und durch konstant hohe künstlerische Qualität sowie eine Kommunikationskultur, die bis in die Region ausstrahle und nicht zuletzt die jungen Generationen erreiche, hieß es zur Begründung.

Opéra de Lyon

Opéra de Lyon

"Orchester des Jahres" ist zum vierten Mal in Folge das Bayerische Staatsorchester. Das Ensemble habe unter der Leitung von Chefdirigent Kirill Petrenko sein veritables Spielniveau kontinuierlich gesteigert, würdigten die Kritiker. Zum "Dirigenten des Jahres" wählten sie Hartmut Haenchen. Der 74-Jährige erhielt die Auszeichnung unter anderem für seine quellenkritische "Parsifal"-Durchleuchtung bei den Bayreuther Festspielen.

Den Titel "Sängerin des Jahres" erhält die Sopranistin Anja Harteros, zum zweiten Mal nach 2009. Diesmal wird sie für ihre Charakterporträts der Maddalena in Umberto Giordanos "Andrea Chénier" und der Elisabeth in Richard Wagners "Tannhäuser" an der Bayerischen Staatsoper München sowie ihre Sieglinde in der Salzburger "Walküre" gewürdigt.

Gleich drei Auszeichnungen gehen nach Stuttgart: an den Tenor Matthias Klink als "Sänger des Jahres", den Choreografen Denis Volpi als "Nachwuchskünstler des Jahres" und den Chor der Staatsoper Stuttgart als "Chor des Jahres". In der Rubrik "Regisseur des Jahres" gingen die meisten Stimmen an den Russen Dmitri Tcherniakov, vor allem für seine kühne Sicht auf Georges Bizets "Carmen" beim Festival in Aix-en-Provence.

Die "Uraufführung des Jahres" war nach Ansicht der meisten Kritiker das experimentelle Musiktheater "Infinite now" der israelischen Komponistin Chaya Czernowin, eine Koproduktion der Opera Vlaanderen (Antwerpen/Gent) und des Nationaltheaters Mannheim. An der "Aufführung des Jahres" – Alban Bergs "Lulu" an der Hamburgischen Staatsoper in der Regie von Christoph Marthaler – überzeugte nicht zuletzt die Neudeutung des dritten Akts unter Verwendung von Bergs Violinkonzert "Dem Andenken eines Engels".

In der Kategorie "Ärgernis des Jahres" stimmten die meisten Kritiker für einzelne Regiearbeiten. "Das Unbehagen entzündete sich an der Berufung handwerklich unerfahrener big names, postdramatischer Deutungsverweigerung, effekthascherisch-hohlem Übereifer oder prätentiösen Aktualisierungsbemühungen", hieß es.

Der Titel "Buch des Jahres" geht an Michael Walters Studie "Oper. Geschichte einer Institution". Die "CD des Jahres" ist "Meyerbeer: Grand Opéra" mit Diana Damrau und dem Orchestre de l’Opéra National de Lyon unter Emmanuel Villaume.

(wa)

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