Umbruch an Bayerischer Staatsoper: Erst Unbekanntes, dann die Hits

12. März 2018 - 22:38 Uhr

(Korrespondentenbericht)

München – "Die Zauberflöte", "Der fliegende Holländer" oder "Die Fledermaus" – Dauerbrenner auf deutschen Bühnen. Auch in der Bayerischen Staatsoper stehen diese und ähnliche Werke immer wieder im Programm. Zurecht, wie Serge Dorny findet, der ab Herbst 2021 die Intendanz des renommierten Hauses übernimmt. "Mozart, Wagner, Strauß sind natürlich die DNA der Staatsoper, mit Aufführungen, die seit Jahrzehnten als Referenzen gelten." Dieses Erbe gelte es zu erhalten. Doch nur Tradition reicht dem Belgier nicht aus, der gemeinsam mit dem neuen Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski in München starten wird. Neues und Unbekanntes wollen sie vermehrt spielen. "Das Repertoire mit Werken von heute anzureichern, gibt uns gleichzeitig die Legitimität, die von gestern zu zelebrieren", sagte Dorny am Montag in München.

Bayerische Staatsoper

Bayerische Staatsoper

Das entspricht auch dem, was Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) von den beiden Neuankömmlingen erwartet: die Tradition eines großen Hauses pflegen und gleichzeitig neue Wege beschreiten. Auch Staatsintendant Nikolaus Bachler, der das Haus noch bis zum Sommer 2021 leitet, hatte in diese Richtung schon gearbeitet. Als er 2008 vom Wiener Burgtheater nach München wechselte, wollte er die internationale Ausrichtung der Staatsoper stärken. Auch auf Nachwuchsarbeit und die Förderung zeitgenössischer Musik legte er Wert. Nummer eins unter den Opernhäusern in Deutschland und eines der "Big Five" weltweit – so das Ziel, das der Österreicher damals ausgab.

In der Tat war die Ära Bachler ein Erfolg, vor allem in Kombination mit Generalmusikdirektor Kirill Petrenko, der 2013 nach München kam. Vom Erfolgsduo war immer wieder die Rede, das mit seinen Produktionen für Aufsehen sorgte und hochgelobt wurde. Dazu eine Auslastung knapp unter 100 Prozent – also fast alle Vorstellungen ausverkauft.

Große Erwartungen, die nun auf Dorny und Jurowski ruhen. Bei der Vorstellung in München gaben sich beide dennoch unaufgeregt und gelassen. Dorny kann auf seine Erfolge als Leiter der Opéra National de Lyon verweisen, wo er junge Zuschauer ebenso anlockte wie Leute, die bis dahin mit Musiktheater nicht so viel anfangen konnten. "Die Oper soll einen zentralen Platz im Leben der Stadt einnehmen", so sein Credo. "Ein Haus der Tradition und der Moderne, fest verankert im 21. Jahrhundert."

Mit Jurowski hat sich ein Generalmusikdirektor gefunden, mit dem Dorny seine Pläne für München umsetzen könnte. Der Russe liebt die Arbeit im Team. "Ich brauche Leute, die mich kennen, die an mich glauben und die mit mir gemeinsam etwas entwickeln können", erzählt er. Bedingungen, wie er sie an der Bayerischen Staatsoper für möglich hält, kennt er doch das Orchester und den Chor bereits von der Neuproduktion "Der feurige Engel" von Sergej Prokofjew aus dem Jahr 2015. Seit September 2017 ist Jurowski Chefdirigent und künstlerischer Leiter des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin. Diesen Posten will er beibehalten, während er das Chefdirigat beim London Philharmonic Orchestra aufgeben wird.

Am Montag wurde klar, was das künftige Führungsduo der Staatsoper insbesondere eint: das Interesse an Stücken jenseits der gängigen Produktionen. Von mehr als 50.000 Opern würden nur rund 100 regelmäßig gespielt, erklärte Dorny. Ein Ansporn, das zu ändern. Jurowski bringt die künftige Linie auf den Punkt: "Zuerst kommen die weniger bekannten Werke und dann kommen die Hits".

(Von Cordula Dieckmann, dpa/MH)

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