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Drama am Cottbuser Staatstheater – Intendant will gehen

26. April 2018 - 20:32 Uhr

(Korrespondentenbericht)

Cottbus – Es ist ein Drama in schillernden Facetten. Leid, Tragik und Wut kommen darin vor. Das Drama spielt nicht auf der Bühne des Cottbuser Staatstheaters – sondern drumherum. In dem renommierten Haus brodelt es seit Wochen. Scheibchenweise gerieten über Medienberichte Details an die Öffentlichkeit. Ein immer groteskeres Bild der Zerrissenheit zwischen der Belegschaft und führenden Personen an Brandenburgs einzigem Staatstheater bot sich dar. Über den Spielplan redete bald so gut wie keiner mehr. Jetzt steht ein Umbau an der Spitze an – der Intendant will gehen. Wird er der Einzige bleiben?

Staatstheater Cottbus

Staatstheater Cottbus

Im Mittelpunkt der Kritik steht eigentlich Generalmusikdirektor Evan Alexis Christ. Schriftlich hatten Opern-Solisten vor Wochen dessen Führungsstil angeprangert. Cholerische Ausfälle und Beleidigungen soll es im Arbeitsalltag gegeben haben – über Jahre hinweg.

Christ, der seit 2008 das Philharmonische Orchester leitet, verlieh dem Haus in den vergangenen Jahren viel Strahlkraft. Bei Besuchern ist er beliebt. Bei öffentlichen Auftritten hat er eine spritzige, freudige und jugendliche Ausstrahlung. Sein Vertrag wurde erst im Dezember bis ins Jahr 2024 verlängert.

In einem Interview der "Lausitzer Rundschau" äußerte sich Christ Mitte April zu den Vorwürfen der Solisten so: "Es gab Momente, wo ich über das Ziel hinausgeschossen bin. Das tut mir leid."

Doch das half nichts mehr. Der Damm schien gebrochen. Orchester und Chor sprangen nacheinander den Opern-Solisten bei und solidarisierten sich. Der Druck wuchs damit auch auf die Theaterleitung.

Diese versuchte es mit Schadensbegrenzung. Ebenso die Brandenburgische Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder), die den Theaterbetrieb leitet. Die Stiftungsratsvorsitzende und brandenburgische Kulturministerin Martina Münch (SPD) sprach mit Vertretern der Belegschaft. Mit dem Ziel, eine Lösung für die vertrackte Lage zu finden.

In einigen Tagen wollte man sich wieder treffen – so der Plan noch Anfang dieser Woche. Der Theaterleitung schwebte ein Mediationsprozess vor, Christ sollte bis dahin eine Auszeit nehmen. Bei der "Macbeth"-Premiere am Wochenende saß er im Publikum. Laut Staatstheater hatte der Orchestervorstand im Vorfeld gefordert, dass nicht er, sondern der 1. Kapellmeister dirigieren soll.

Doch Christ machte dem Ganzen offensichtlich einen Strich durch die Rechnung. Von der Theaterleitung hieß es zu der angeregten Auszeit: "Herr Christ ist unserem Vorschlag nicht gefolgt. Im Gegenzug teilte er mit, dass man jetzt über eine Auflösung seines Vertrages nachdenken müsse."

Nun der bisherige Höhepunkt des Dramas: Ein Pressegespräch zum neuen Spielplan am Donnerstagvormittag wurde kurzfristig abgesagt. Zur Begründung hieß es nur: "Die Entwicklung im laufenden Verfahren im Konflikt um den Generalmusikdirektor des Philharmonischen Orchesters Evan Alexis Christ erfordert zunächst eine grundsätzliche Abstimmung mit den Rechtsträgern."

Später verbreiteten mehrere Medien, dass Intendant Martin Schüler seinen Rücktritt bekannt gegeben habe. Erst am Abend kam vom Kulturministerium die Bestätigung, dass Schüler seine Tätigkeit als Intendant beenden möchte. Das Theater schwieg bis dahin, es gab keine offizielle Stellungnahme. Die genauen Gründe für den angestrebten Rücktritt Schülers sind unklar geblieben.

Ob Christ am Ende auch seinen Hut nehmen muss, bleibt die große Frage. Auf einer außerordentlichen Stiftungsrats-Sitzung in Kürze soll es um das Thema Beendigung der Anstellung von Christ als Generalmusikdirektor des Staatstheaters gehen, wie es in einer Stellungnahme von Stiftungsratsmitgliedern heißt. Das Drama am Cottbuser Staatstheater ist noch nicht zu Ende.

(Von Anna Ringle, dpa/MH)

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