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Frischer Wind beim Richard-Strauss-Festival

22. Juni 2018 - 09:20 Uhr

(Korrespondentenbericht)

Garmisch-Partenkirchen – Alexander Liebreich ist ein Mann klarer Worte. "Nein, in diesem Saal wird kein Konzert stattfinden. Das ist ein Unort." Der Dirigent und neue Intendant des am Freitag beginnenden Richard-Strauss-Festivals in Garmisch-Partenkirchen meint den reichlich ungemütlichen Werdenfels-Saal im Kongresszentrum der Olympiastadt.

Alexander Liebreich

Alexander Liebreich

Er weiß, wovon er spricht. Denn dort, wo er zur Zeit noch als Chefdirigent arbeitet, im polnischen Katowice nämlich, bespielt er mit dem Nationalen Symphonieorchester des Polnischen Rundfunks einen neuen Saal, dessen Innenleben von dem japanischen Akustik-Guru Yasuhisa Toyota geplant wurde.

Liebreich gilt als einer der profiliertesten Dirigenten der mittleren Generation. Der gebürtige Regensburger studierte bei Michael Gielen am Salzburger Mozarteum. Von 2006 bis 2013 leitete er das Münchner Kammerorchester und wurde für seine innovativen Programme gerühmt, bevor er als erster deutscher Orchesterchef nach 1945 ins einstige Oberschlesien wechselte.

In diesem September folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter: Liebreich wird Chefdirigent beim Rundfunksinfonieorchester in Prag. Dass er als Nachfolger der Regisseurin und Intendantin Brigitte Fassbaender nun auch für das lange etwas unterbewertete Strauss-Festival verantwortlich ist, gilt als kleiner Coup der Kulturverantwortlichen in Garmisch-Partenkirchen.

An seiner neuen Wirkungsstätte will der 50-Jährige andere, auch populäre Wege gehen. Anstatt des Werdenfels-Saals hat er erstmals Freiluftkonzerte in Kloster Ettal ins Programm genommen. Dort sollen Strauss' "Alpensinfonie" und sein "Zarathustra" erklingen. Geplant war auch eine Musikwanderung durch die Partnachklamm, die derzeit allerdings wegen schwerer Unwetterschäden geschlossen ist. Erstmals soll es ferner ein Konzert auf der 1780 Meter hohen Wank geben. Nächstes Jahr will Liebreich noch höher hinaus – auf die Zugspitze, Deutschlands höchsten Berg.

Der Bergfex und Skilangläufer Liebreich will den Genius Loci, den Geist der beeindruckenden Bergwelt des Werdenfelser Landes, ins Zentrum des Festivals rücken. "Das Richard-Strauss-Festival ist das einzige Festival in Deutschland, das in den Alpen stattfindet. Und schließlich war Strauss ein begeisterter Bergwanderer."

Zum Komponisten Richard Strauss hat Liebreich ein eher distanziertes Verhältnis. "Ich bin sicher kein Straussianer, auch wenn ich seine Opern "Elektra" und "Salome" für künstlerische Gipfelpunkte halte. Doch seine Hybris, sein überhöhtes Selbstwertgefühl sowie seine politische Geschmeidigkeit in der Nazizeit machen mir ihn ein wenig suspekt. Wir sollten ihn und seine Musik daher kritisch und reflektiert betrachten."

Und noch eine Neuerung hat Liebreich in petto: Strauss im Originalklang. "Wir werden seine Streicher-Metamorphosen auf Geigen spielen lassen, die mit Darmsaiten bespannt sind. Das war bis ins 20. Jahrhundert hinein noch allgemein üblich und ergibt ein sehr viel differenziertes Klangbild." Finanziell steht das Festival besser da, seitdem der Freistaat die Zuschüsse deutlich erhöht hat. "Wir nähern uns dem angestrebten Gesamtbudget von einer Million Euro", sagte Liebreich. Auch so etwas wie Gipfelglück.

(Von Georg Etscheit, dpa/MH)

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Link:

http://www.richard-strauss-festival.de

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