Bayreuther Festspiele: Ein hochkarätiger Ersatz und ein Dirigent im Zenit

25. Juli 2018 - 09:10 Uhr

(Korrespondentenbericht)

Bayreuth – Es ging schnell. Die Aufregung über die Absage von Roberto Alagna, der in der Bayreuther Neuproduktion der Richard-Wagner-Oper "Lohengrin" die Titelpartie hätte singen sollen, hatte sich noch nicht richtig gelegt, da präsentierten die Festspiel-Verantwortlichen bereits einen Ersatz. Und der ist eigentlich gar kein Ersatz: Für viele Beobachter gilt Piotr Beczała (51) sowieso als der passendere Schwanenritter. Alagna ist auf das französische und italienische Fach spezialisiert, dass er über seine Agentur Probleme beim Einstudieren der Partie einräumte, wurde von vielen Experten mit Hohn und Spott quittiert: Hätte ihm ja auch schon früher einfallen können als erst Ende Juni.

Festspielhaus Bayreuth

Festspielhaus Bayreuth

Aber nun sind die Proben am Grünen Hügel in vollem Gange, um am (heutigen) Mittwoch zum Auftakt des weltbekannten Festivals einen "Lohengrin" auf die Bühne zu bringen, der aus vielerlei Gründen mit großer Spannung erwartet wird: Wie schlägt sich Nothelfer Beczała nach seinem Lohengrin-Debüt in Dresden nun also in Bayreuth an der Seite von Elsa Anja Harteros? Die Star-Sopranistin will in Richard Wagners Festspielhaus auf Spurensuche gehen, wie sie im dpa-Interview sagte: "Was war sein Ideal von einem Opernhaus? Ich bin gespannt, inwiefern mich das berührt und ob ich das überhaupt spüre. Vor allem aber freue ich mich auf die Arbeit mit Christian Thielemann."

Aber wie klingt der "Lohengrin" von Thielemann eigentlich im Festspielhaus? Der Musikdirektor der Festspiele steht kurz vor dem Zenit in Sachen Bayreuth – "Lohengrin" fehlt ihm noch, dann wird er alle zehn am Grünen Hügel aufgeführten Wagner-Opern dirigiert haben. Das gelang vor ihm lediglich Felix Mottl (1856-1911).

Nicht minder spannend ist die Frage, wie Yuval Sharon, US-amerikanischer Regisseur mit israelischen Wurzeln, Wagners romantische Oper interpretiert. Die Aufarbeitung sowohl der antisemitischen Gesinnung Wagners als auch der Vergangenheit der Festspiele in der Nazizeit ist immer noch brandaktuell, wie nicht zuletzt im Vorjahr die Premiere der "Meistersinger von Nürnberg" in der Regie von Barrie Kosky zeigte. Kosky nutzte seine Operndeutung als Appell gegen Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus.

Sharon tritt bei "Lohengrin" in große Fußstapfen: Die vorherige Inszenierung von Hans Neuenfels in klinischer Laboratmosphäre mit dem Chor in putzig bis bedrohlichen Rattenkostümen auf der Bühne hatte nach anfänglicher Skepsis Kultstatus beim Publikum erreicht.

Das Optische dürfte allerdings auch bei der Neuproduktion nicht zu kurz kommen, hat doch Festspielchefin Katharina Wagner das Künstlerpaar Neo Rauch und Rosa Loy für Bühnenbild und Kostüme engagiert.

Und: Waltraud Meier (62) kehrt nach fast 20 Jahren Abwesenheit auf den Grünen Hügel zurück – als Ortrud. Der einstige Bayreuth-Start hatte sich mit dem früheren Festspielchef Wolfgang Wagner überworfen. Doch sie habe sich schon zu Lebzeiten wieder mit ihm versöhnt, sagte sie dem "Münchner Merkur" kürzlich. Jetzt sei dessen Tochter Katharina Wagner auf sie zugekommen mit der Anfrage für die Ortrud-Partie.

Mit prominenten Namen können die Festspiele aber auch abseits der "Lohengrin"-Produktion aufwarten: Weltstar Plácido Domingo wird erstmals im berühmten Orchestergraben dirigieren, für ihn kehrt dreimal die "Walküre" in der Regie von Frank Castorf auf den Spielplan zurück, unter anderem zum Abschluss der Festspiele am 29. August.

Und sonst? Koskys "Meistersinger" sind erneut zu sehen und zu hören, dazu "Parsifal" in der Regie von Uwe Eric Laufenberg und "Tristan und Isolde" in der Inszenierung von Katharina Wagner. Um im Jahr ohne die Tetralogie "Der Ring des Nibelungen" das Programm zu füllen, kehrt nach einigen Jahren Pause "Der fliegende Holländer" von Jan Philipp Gloger auf den Spielplan zurück.

(Von Kathrin Zeilmann, dpa/MH)

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