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Staatstheater Schwerin: Generalintendant will Betriebsklima verbessern

20. Dezember 2018 - 14:11 Uhr

Schwerin – Generalintendant Lars Tietje hat ein Maßnahmenpaket zur Beilegung der Führungskrise am Mecklenburgischen Staatstheater in Schwerin vorgelegt, die Vorbehalte in der Belegschaft damit aber nicht nachhaltig abbauen können. "Es ist nicht unbedingt besser geworden", sagte Betriebsrat Andreas Fritsch am Donnerstag nach einer kurzfristig anberaumten Personalversammlung. Diese sei sehr emotional gewesen.

Generalintendant Lars Tietje

Generalintendant Lars Tietje

Tietje sicherte bei der Vorstellung des Papiers den Beschäftigten unter anderem Mitsprache bei der Besetzung von Leitungsfunktionen in Orchester und Chor zu und kündigte eine verbesserte Kommunikation an. Es habe deutliche Hilferufe aus der Belegschaft zum Arbeitsklima und zur aktuellen Entwicklung des renommierten Hauses gegeben. "Ich habe den Mitarbeitern gesagt, dass ich verstanden habe, was die Forderungen sind", sagte der Intendant. Doch sei Kommunikation auch nie einseitig. "Wir haben noch einen langen Weg vor uns", sagte Fritsch.

Das Maßnahmenpaket, das die Gesellschafter in der Vorwoche ultimativ von Tietje gefordert hatten, sei ein Signal an die Belegschaft. "Es ist meine Aufgabe, daran zu arbeiten, Vertrauen zurückzugewinnen", sagte der Intendant. Er wolle künftig für mehr Transparenz sorgen und mit einem zusätzlichen Theaterprojekt wieder mehr in die Stadt hineinwirken. Dafür könne das Theater im Vorgriff auf kommende Jahre Geld des Landes einsetzen. Zudem solle es Veränderungen im Spielplan des Jungen Staatstheaters in Parchim geben, das sich dann auch wieder seinem angestammten Abendpublikum zuwenden könne. An der neuen Spielplangestaltung dort hatte es massive Kritik geben.

Das Verhältnis zwischen Generalintendant und Belegschaft ist nach Angaben mehrerer Ensemblesprecher auch nach dem neuerlichen Treffen angespannt. Tietje habe es in der Personalversammlung abgelehnt, sich einer mehrfach angeregten Vertrauensabstimmung zu stellen, hieß es.

Der 51-Jährige hatte mit der Spielzeit 2016/2017 die Stelle des Generalintendanten und Geschäftsführers in Schwerin angetreten und damit auch die Aufgabe übernommen, von Stadt und Land vorgegebene Sparmaßnahmen wie den Abbau von 30 Stellen umzusetzen. In mehreren öffentlich gewordenen Schreiben hatten Mitglieder verschiedener Sparten zuletzt massive Vorwürfe gegen Tietje erhoben. Kritik gab es vor allem an Personalentscheidungen, Spielplangestaltung und Mitarbeiterführung.

Der fortwährende Konflikt am Staatstheater hatte Kulturministerin Birgit Hesse (SPD) am vergangen Dienstag veranlasst, die Gesellschafter zu einem Krisentreffen zusammenzurufen. Neben dem Land als Hauptgesellschafter (75 Prozent) halten die Landeshauptstadt Schwerin und der Landkreis Ludwigslust-Parchim (je zehn Prozent) sowie die Stadt Parchim (fünf Prozent) Anteile an der Theater gGmbH.

Zu dem von den Gesellschaftern beschlossenen Fünf-Punkte-Plan gehören neben den nun vorgelegten Sofortmaßnahmen auch eine Mitarbeiterbefragung und ein Führungskräftecoaching. Beides soll unter Hinzuziehung externer Fachleute ablaufen und bis März Ergebnisse bringen.

In der Spielzeit 2017/18 hatte das Staatstheater nach eigenen Angaben trotz der einschneidenden Sparmaßnahmen der vergangenen Jahre erneut gut 180.000 Zuschauer. Den Angaben zufolge gab es mehr als 700 Veranstaltungen an den Standorten Schwerin und Parchim sowie auf Abstechern. Vor allem wegen geringer Zuschauerzahlen bei der Sommer-Oper "Tosca" auf dem Alten Garten in Schwerin könnten für die laufende Spielzeit etwas schlechtere Zahlen nicht ausgeschlossen werden, sagte Tietje.

(dpa/MH)

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