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"Turandot" in Karlsruhe: Kino-Oper mit Gänsehaut

25. Januar 2020 - 23:03 Uhr

Karlsruhe (MH) – Mit Begeisterung ist die Karlsruher Neuproduktion von Giacomo Puccinis Oper "Turandot" aufgenommen worden. Das Badische Staatstheater führte am Samstag mit dem Zentrum für Kunst und Medien ZKM die Möglich- und Unmöglichkeiten der Videotechnik als Tool von Regiearbeit vor. In der Koproduktion mit dem Teatro Massimo Palermo, dem Teatro Communale Bologna und dem Lakhta Center St. Petersburg verantwortete das russische Künstlerkollektiv AES+F Video, Bühne und Kostüme.

"Turandot"

"Turandot"

Und um die Frage gleich vorauszuschicken – wieviel Arbeit hatte Regisseur Fabio Cherstich noch angesichts der Übermacht der bühnenhohen Leinwand-Tryptichons, auf dem nahezu unaufhörlich brillant gestaltete und ästhetisch eindrucksvolle surreal-sciencefictioneske Bilderwelten die weltbedeutenden Bretter beherrschten? Chor und Solisten wirkten in den ersten beiden Akten zeitweise merkwürdig überflüssig, und ihre körperliche Präsenz beschränkte sich größtenteils auf langsames Schreiten. Puccinis unvollendetes Spätwerk mit dem Finale von Franco Alfano mit der etwas mühsam dramaarmen Handlung eignet sich noch am ehesten für einen Interpretationsansatz, der weniger auf Personenregie als auf Optik setzt.

Glücklicherweise aber war nicht nur die Videoarbeit überzeugend, sondern auch die musikalische Seite. Mit Elena Mikhailenko sang eine wirklich große dramatische Stimme die Titelrolle, lediglich am Schluss mit Konditionsproblemen. "Turandot" steht und fällt mit einem brillanten "Nessun Dorma"-Calaf. Rodrigo Porras Garulo beweist den Opernfans, dass fantastische Tenöre nicht nur an den sogenannten großen Häusern zu erleben sind. Als Liù war die Sopranistin Agnieszka Tomaszewska im dritten Akt brillant-überzeugend. Begeisterten Applaus gab es zu Recht für die Badische Staatskapelle und den Badischen Staatsopernchor sowie Cantus Juvenum Karlsruhe unter der Leitung von Johannes Willig, der neben Mut zur weiten Puccini-Geste auch zu differenzierten Samtklängen aus dem Graben motivierte.

(Von Martina Kausch)

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(mk/wa)

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