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G wie Gottlieb Mozart

05. April 2012 - 16:28 Uhr

Wolfgang Amadeus Mozart wurde niemals "Gottlieb" genannt, obwohl "Amadeus" auf Deutsch "Gottlieb" heißt. Doch auch "Amadeus" hat kein Mensch zu ihm gesagt. Laut Taufurkunde vom 28. Januar 1756, dem Tag nach seiner Geburt, hieß Mozart "Joannes Chrysostomos Wolfgangus Theophilus". Gerufen wurde er "Wolfgang" oder "Wolferl". Woher kommt dann der Name "Amadeus", unter dem ihn alle Welt bis heute kennt?

Wolfgango Amadeo Mozart

"Joannes Chrysostomos" bezog sich auf den Kirchenlehrer, dessen Namenstag der 27. Januar ist – Mozarts Geburtstag. "Wolfgangus", die lateinische Version von "Wolfgang", wurde er nach Wolfgang Nikolaus Pertl getauft, seinem Großvater mütterlicherseits. "Theophilus" ist griechisch (Theophil) mit einer lateinischen Endung (-us), bedeutet "Gottlieb" und wurde zu Ehren seines Taufpaten Johann Gottlieb Pergmayr gewählt.

Zwischen 1769 und 1772 reiste Mozart mit seinem Vater dreimal nach Italien. In dieser Zeit nannte er sich italienisch "Wolfgango Amadeo". Seit einem Aufenthalt in Paris 1778, während dessen seine Mutter starb, verwendete er meist die französische Form "Amadé". Gelegentlich unterschrieb er auch nur mit "Wolfgang Mozart", etwa in einer Anwesenheitsliste der Wiener Freimaurerloge. Wohl eher im Scherz schrieb er in einem Brief von 1774 "Amadeus". Diese latinisierte Form findet sich danach nur noch in zwei weiteren Briefen Mozarts.

Amtlich beglaubigt wurde der "Amadeus" erst durch den Eintrag im Sterberegister des Wiener Magistrats am 05. Dezember 1791. Für die überregionale Verbreitung des Vornamens sorgte ab 1798 das Leipziger Verlagshaus Breitkopf & Härtel mit der Veröffentlichung der "Oeuvres Complettes de Wolfgang Amadeus Mozart" in 16 Bänden. Aus Bewunderung für den Komponisten nannte sich der Schriftsteller und Musiker Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann (1776-1822) ab 1805 Ernst Theodor Amadeus Hoffmann – kurz E.T.A. Hoffmann.

Weltweit durchgesetzt wurde die Form "Wolfgang Amadeus Mozart" im 20. Jahrhundert durch Plattenfirmen und Radiosender. Ausnahmen finden sich nur in einzelnen Sprachen wie Esperanto (Volfgango Amdeo Mozarto) und Lettisch (Volfgangs Amadejs Mocarts).

Für die bis heute ungebrochene Popularität seiner Musik war der Name "Amadeus" gewiss nicht notwendig. Geschadet hat er aber auch nicht. Wer weiß, ob Paul Shaffer 1979 sein Theaterstück und Milos Forman 1984 seinen Film "Theophilus" genannt hätten. Oder ob Falco 1985 "Rock me, Gottlieb" gesungen hätte? "Go-ott li-ieb, Go-ott li-ieb"?

(wa)

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