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Dirigent Lavard Skou Larsen: "Mit jungen Musikern zu arbeiten ist eine große Freude"

12. April 2012 - 08:11 Uhr

Lavard Skou Larsen ist seit Anfang des Jahres Chefdirigent des Georgischen Kammerorchesters Ingolstadt. Am 15. April 2012 leitet er ein Familienkonzert, bei dem die Solisten zwei junge Nachwuchsmusiker sind. Vor dem Konzert mit den "Stars von morgen" gab Skou Larsen dem Nachrichtenmagazin musik heute das folgende Interview.

Lavard Skou Larsen

musik heute: Schon vor dem ersten Abonnement-Konzert der Saison gaben Sie ein Familienkonzert. Zufall oder Zeichen?

Lavard Skou Larsen: Ehrlich gesagt: Zufall. Auch wenn ich Kinder- und Jugendprogramme für sehr wichtig halte.

musik heute: Seit 2004 sind Sie auch Chefdirigent der Deutschen Kammerakademie Neuss und wurden im selben Jahr Professor für Violine am Mozarteum Salzburg. Woher rührt Ihr Engagement für den Nachwuchs?

Lavard Skou Larsen: Mit jungen Musikern zu arbeiten ist eine große Freude, denn da stimmt noch die Einstellung, der Idealismus, der Enthusiasmus. Leider geht das sehr oft im Berufsleben verloren. Außerdem ist es eine Pflicht, denn ohne Nachwuchs gibt es keine Zukunft.

musik heute: Bei dem Neujahrskonzert saß Ihr wenige Monate alter Sohn an der Seite. Soll er auch mal Musiker werden?

Lavard Skou Larsen: Keine Ahnung. Ich werde ihn sicher nicht dazu zwingen, obwohl die Musik einen Menschen ganz speziell prägt und vieles im Leben besser verstehen lässt. Wenn mein Sohn Laurits es wünscht, werde ich ihm selbstverständlich dabei helfen, aber vielleicht will er ja Rennfahrer werden. Auch das wäre interessant …

musik heute: Sie wurden 1962 in Brasilien geboren und sind mit vier Jahren nach Österreich gekommen. Ihr Name klingt aber eher dänisch. Wo sehen Sie Ihre musikalischen Wurzeln?

Lavard Skou Larsen: Meine Mutter ist aus Brasilien, mein Vater war Däne. Meine musikalischen Wurzeln sind definitiv österreichisch, speziell Salzburg, denn da gibt es große Unterschiede, wie mit Wien zum Beispiel. Sehr geprägt hat mich der ungarische Geiger und Künstler Sandor Végh, bei dem ich in Salzburg einige Jahre studieren durfte und der die Musik von einer sehr weisen, philosophischen Warte aus betrachtete und behandelte. Doch ich vergesse meinen südamerikanischen Ursprung nicht und setze mich sehr für brasilianische, argentinische oder mexikanische Musik ein.

GKO Ingolstadt

musik heute: Was haben Sie sich als neuer Chefdirigent des GKO Ingolstadt vorgenommen?

Lavard Skou Larsen: Ich bin jemand, der sehr genau arbeitet. Ich kämpfe in den Proben um jeden Takt, um jeden Ton. Alle möglichen "NEIN" sollen in der Arbeit aus dem Weg geräumt werden, damit im Konzert ein einziges "JA" gelingt. Die Musiker sollen, so weit es geht, offen werden, nicht um Mozart zu spielen, sondern von Mozart gespielt zu werden.

musik heute: Unter welchen Gesichtspunkten haben Sie das Konzertprogramm dieses Jahres zusammengestellt?

Lavard Skou Larsen: Bei meiner ersten Saison wollte ich eine Vielfalt von Möglichkeiten ausprobieren, mit Bekanntem, Neuem, Unbekanntem und Altem. Jedes Konzert trägt einen Titel, und dementsprechend gestalte ich meine Programme: Ein Sinn gebender roter Faden verbindet die Werke eines Abends. Die Botschaft, der kreative Impuls, den die Musik mitbringt und bei einem aufmerksamen Zuhörer weckt, ist mir sehr wichtig.

musik heute: In Ihrer Moderation des Neujahrskonzerts haben Sie Anspielungen an Politik und Wirtschaft eingeflochten. Welche Erwartungen haben Sie als Musiker und Musikpädagoge an diese?

Lavard Skou Larsen: Nun, die Anspielungen waren eher humoristischer Art. Aber ernsthaft erwarte ich von Politikern, dass Erziehung – und im speziellen zur Kunst – immer etwas Selbstverständliches, für jedermann frei Zugängliches sein muss.

(Die Fragen stellte Wieland Aschinger.)

Website des Künstlers:

http://www.lavardskoularsen.com/

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