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Staatstheater Wiesbaden eröffnet Saison mit Operndoppel

07. September 2020 - 00:22 Uhr

Wiesbaden (MH) – Großen Jubel haben am Wochenende im Hessischen Staatstheater Wiesbaden die zwei Opernpremieren geerntet, deren Libretti auf den Aufklärer Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais zurückgehen: Gioachino Rossinis "Barbier von Sevilla" am Samstag und Wolfgang Amadeus Mozarts "Hochzeit des Figaro" am Sonntag. Während musikalisch beide Neuinszenierungen auf ganzer Linie Begeisterung auslösten, konnte in puncto Regie nur der kluge Rossini-Abend von Tilo Nest überzeugen, der poetisch mit zahlreichen Theater-im-Theater-Effekten spielte. Im Gegensatz dazu hielt die Figaro-Sicht von Uwe Eric Laufenberg tags darauf nicht mehr bereit als eine solide Bebilderung der Verwechslungskomödie. Damit vertat der inszenierende Hausherr die Chance, eine über beide Abende gespannte erzählerische Klammer zu verankern.

"Der Barbier von Sevilla"

"Der Barbier von Sevilla"

Der frühere Burgschauspieler Nest, der sich auch als Theater-Regisseur und Sänger einen Namen gemacht hat, inszenierte damit erfolgreich seine erste Oper. Die im Libretto verankerte Musikertruppe um Graf Almaviva, die der angebeteten Rosina ein Ständchen bringt, machte er ebenso sinnig wie geheimnisvoll zu Teilen des Wiesbadener Orchesters, die anfangs dezent in ihre Rollen schlüpfen und nach gesungener Oper wieder zu unauffälligen Musikern mutieren. Dazu passend platziert er das Orchester auf der Bühne, lässt es im Lauf des Geschehens im Graben verschwinden und sich mit den zunehmend eingesetzten Rokoko-Requisiten von Gisbert Jäkel in die Bühnenillusion einfügen.

Vor Corona-bedingt nur 200 Zuschauern sangen sich am Samstag allen voran Ioan Hotea als Graf Almaviva und Silvia Hauer in der Rolle Rosinas in die Herzen der Zuschauer, während Anna El-Khashem als temperamentvolle Susanna, Heather Engebretson als knabenhafter Cherubino und Benjamin Russells Graf Almaviva am Sonntag wahre Meisterleistungen ablieferten. Die musikalische Leitung ließ trotz deutlich reduziertem Orchester – Dirigent Konrad Junghänel musste an beiden Abenden mit nur drei ersten Geigen auskommen – nichts an federndem Belcanto und feuriger Mozart-Brillanz vermissen.

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(bb/wa)

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