"Es geht um die Kinder!" – Jugendliche spielen "Die Konferenz der Tiere" in der Semperoper

25. Juli 2012 - 11:10 Uhr

In jedem Menschen steckt ein Künstler, das wussten schon Carl Orff und Joseph Beuys. Besonders gilt das für Kinder, die voller Neugier und Kreativität die Welt entdecken. Was für Talente in ihnen stecken, konnten 150 Kinder und Jugendliche in der Dresdner Semperoper zeigen. Anfang Juli haben sie die musikalische Revue "Die Konferenz der Tiere" uraufgeführt. Dabei hatten die meisten von ihnen ein Jahr zuvor noch keinerlei musikalische oder schauspielerische Kenntnisse.

Eisbär Paul

Paul, der Eisbär (Daniel Günther), ist auf der Suche nach der Kälte. Der Reporter Erich (Tom Quaas) führt ihn irrtümlich nach Afrika. Zu Erichs Überraschung können die Tiere dort "Menschisch" sprechen. Davon machen sie aber nur selten Gebrauch, weil ihnen die Menschen einfach zu dumm sind. Schon lange beobachten die Tiere, dass keine der zahllosen Konferenzen über Umwelt, Frieden und Zukunft jemals zu einer Einigung führt. "Da krieg' ich sooo einen Hals!", stellt die Giraffe Gaby (Laura Luther) fest, und Eisbär Paul singt: "Jetzt ist Schluss mit Ruhe und Gemütlichkeit". So entscheiden die Tiere, eine eigene Konferenz einzuberufen.

Erich Kästners Tierparabel, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden ist, funktioniert auch 60 Jahre später noch. Librettist Manfred Weiß hat die Handlung nur behutsam in die heutige Zeit übertragen. Vor allem aber hat er für die sieben- bis 18-jährigen Darsteller fantastische Rollen geschrieben, die diese mit erstaunlicher Überzeugungskraft ausfüllen. Dazu hat Komponist Johannes Wulff-Woesten hinreißende Musik geschaffen und mit dem Jungen Sinfonieorchester Dresden gespielt.

Wenn im Stück der Löwe Leopold (Lars Lotter) erklärt: "Es geht um die Kinder! (auch um uns), um sie mache ich mir Sorgen!", wird diese Botschaft auch durch die Produktion selbst vermittelt. Denn bis auf den Reporter Erich sind alle Darsteller FairTalent-Schülerstipendiaten der Roland-Berger-Stiftung. Sie stammen aus sozial benachteiligten Familien und haben meist erst bei diesem Projekt die Grundlagen von Tanz, Schauspiel und Gesang kennengelernt.

Im Gegensatz zu den TV-Castingshows wurde an der Semperoper herausgefunden, wo das besondere Talent jedes einzelnen der 150 Kinder liegt. So hatte Tina Wittig anfangs an ein anderes Tier gedacht, dann aber gemerkt: "Klapperschlange steht dir besser". Schließlich spielt die 17-Jährige sogar verschiedene Figuren, weshalb sie sich oft schnell umziehen und "in die neue Rolle reinfinden" muss. Laura Luther (18) hat sich so sehr in den Charakter der Giraffe vertieft, dass sie von Freunden schon "Gaby" gerufen wird.

Giraffe Gaby, Elefant Oskar

In einem Jahr mit 16 Probenwochenenden und drei Ferienakademien sind die Jugendlichen nicht nur in ihre Bühnenrollen hinein-, sondern auch über sich selbst hinausgewachsen. Sie alle stellen fest, wie sehr sie sich persönlich weiterentwickelt haben. Die Bestätigung, die sie in der Semperoper erhalten, stärkt ihr Selbstbewusstsein. Und die gemeinsame Arbeit hat sie zusammengeschweißt. So erklärt Laura Luther, wie stolz sie auf die kleine Schnecke (Tuna Safak) ist, wenn die Fünftklässlerin ganz allein auf der Bühne singt. Die Begeisterung der jungen Schauspieler, Sänger und Tänzer ist einfach ansteckend. Selbst die Kinder aus der Bühnenbildgruppe, die anfangs auf keinen Fall mitspielen wollten, haben vier Wochen vor der Premiere noch um "wenigstens kleine Rollen" gebeten.

"Die Konferenz der Tiere" ist mit liebevollem Aufwand gestaltetes Musiktheater. Durch fantasievolle Kostüme und farbenfrohe Bühnenbilder hält das Stück der Welt einen Spiegel vor. Unter der Regie von Therese Schmidt bringt jeder Beteiligte seine eigenen Qualitäten und Fähigkeiten ein. So halten während der fast zweistündigen Vorstellung alle Darsteller die Spannung. Es macht einfach Spaß, ihnen zuzusehen. Dass sie eine Menge harte Arbeit geleistet haben, ist den Jugendlichen dabei durchaus bewusst. Trotzdem äußern sie sich traurig, dass es nur zwei Aufführungen gibt. Wer sie auf der Bühne gesehen hat, kann ihnen nur zustimmen.

(wa)

Links:

http://www.semperoper.de/
http://www.rolandbergerstiftung.org/

 

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