Oper entdecken: "Die Fliege" von Howard Shore

21. August 2012 - 08:08 Uhr

Mittwoch, 22. August 2012 / 06:00 – 07:00 Uhr
ARTE

Dokumentation (Frankreich 2008) Mit dem Film "Die Fliege" feierte der kanadische Regisseur David Cronenberg 1986 den bis heute größten Erfolg seiner Karriere. Die Musik dazu komponierte Howard Shore. Es war ihr vierter gemeinsamer Film. 22 Jahre später schrieben sie die "Fliege" zu einer Oper um, die sie am Théâtre du Châtelet in Paris inszenierten. Das Projekt entstand auf Initiative von Plácido Domingo. Der große Tenor, der auch Intendant der Oper von Los Angeles ist, dirigierte dabei das Philharmonische Orchester von Radio France.

"Die Fliege"

Cronenberg hat die Handlung des Science-Fiction-Horror-Films in die 50-er Jahre verlegt: Physiker Seth Brundle liebt die Journalistin Veronice Quaife, die von ihm schwanger ist. Voller Stolz will er ihr eine Erfindung vorführen, die "die Welt verändern wird", wie er sagt. Es handelt sich um die sogenannte Teleportation, mit der sich Gegenstände kodieren, atomisieren und schließlich wieder neu zusammensetzen lassen. Brundle glaubt an die Möglichkeit, mit dieser Methode auch Menschen in ihre Gene auflösen und wieder rekonstruieren zu können. Als er den Selbstversuch startet, gerät eine Fliege mit in die Übertragungszelle und wird ein Teil von ihm …

Im übertragenen Sinne handelt "Die Fliege" von Krankheit, vom körperlichen Verfall, wenn wir älter werden, und davon, was es heißt, jemanden über einen so langen Zeitraum zu lieben. Was bedeutet es, wenn die geliebte Person sich allmählich in etwas anderes verwandelt? Können wir diese Person dann noch lieben? Diesen Wandel erlebt jeder, der über Jahre eine Beziehung führt. Durch das Science-Fiction-Element wird das auf einen sehr kurzen Zeitraum verdichtet, aber darin liegt das zentrale Thema der Oper.

Über die Arbeit an dem Stück sagte David Cronenberg: "Ein Regisseur muss eine echte emotionale, intellektuelle und künstlerische Verbindung zu dem Werk haben, das er inszeniert. Andernfalls ist ein Filmregisseur, der eine Oper inszeniert, nicht mehr als ein Werbegag. In diesem Fall haben wir die einzigartige Situation, dass Howard und ich früher einmal an einem von mir geschriebenen Film gearbeitet haben, und jetzt arbeiten wir an einer von ihm geschriebenen Oper über dasselbe Thema. So etwas hat es meines Wissens noch nie gegeben, und es ist für mich eine fantastische Reise, daran beteiligt zu sein."

(pt/wa)

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