Monteverdissimo: Drei Opern – Ein Tag an der Komischen Oper Berlin

14. September 2012 - 08:05 Uhr

Sonntag, 16. September 2012 / 12:30 – 22:40 Uhr
3sat

"Orpheus", "Odysseus" und "Poppea" sind die drei einzigen vollständig überlieferten Opern von Claudio Monteverdi (1567 – 1643), dem Mitbegründer dieser musikalischen Kunstform. Der neue Intendant der Komischen Oper Berlin, Barrie Kosky, inszeniert sie als Opernfestival mit fast 200 Künstlern an einem einzigen Tag.

Claudio Monteverdi

Doch nicht ein barockes Klangfest schwebt ihm vor. Die Inszenierung ist eine radikale Neuinterpretation, eine Mischung aus alter Musik und Anleihen aus Jazz, Klezmer, Tango und Ragtime. Schöpferin ist die Komponistin Elena Kats-Chernin, die Monteverdis Vorlage völlig neu interpretiert. Dirigent André de Ridder bringt die einmalige Fusion der Stile mit dem Orchester und den Chorsolisten der Komischen Oper Berlin in ein spannungsreiches Klangbild.

3sat zeigt das Opernspektakel zeitgleich von Mittag bis zum Abend. In den Pausen führt die Moderatorin Katrin Bauerfeind durch den Backstage-Bereich, spricht mit den Künstlern und präsentiert spannende Fakten zu dem Projekt. Zudem zeigen drei Dokumentationen das Werk und die Zeit des Komponisten Monteverdi, der an der Schwelle von Renaissance und Barock lebte.

Einführung (12:30 – 12:45 Uhr)

Ein Tag aus der Komischen Oper Berlin.

Orpheus (12:45 – 14:45 Uhr)

Julia Novikova

Musikalische Fabel in einem Prolog und fünf Akten (Live zeitversetzt) – "Orpheus", 1607 uraufgeführt, gilt als eine der ersten beziehungsweise als erste Oper überhaupt und ist daher ein Markstein in der Operngeschichte. "Orpheus" handelt von der jugendlich-leidenschaftlichen Liebe zwischen Orpheus und Eurydike. Zwei Akte lang werden in Tänzen und Liedern, Chören und Sologesängen Natur und Liebe gefeiert. Die Nachricht von Eurydikes Tod bringt die arkadische Ausgelassenheit zum Schweigen. Nur mit der Kraft der Musik wagt sich Orpheus in die Unterwelt, um seine Geliebte Euydike aus dem Totenreich zurück zu holen. Die Musik wird zum Klagegesang und zum letzten Trost.

Die Rollen und ihre Darsteller: Orpheus (Dominik Köninger), Eurydike / Apollo (Julia Novikova), Amor / Die Hoffnung / Die Musik (Peter Renz), Sylvia / Proserpina (Theresa Kronthaler), Charon (Stefan Sevenich)

Trilogie der Leidenschaft – Barrie Kosky inszeniert Monteverdi (14:45 – 15:25 Uhr)

Dokumentation – Der Film von Dietmar Klumm begleitet die Entstehung der drei Monteverdi-Opern "Orpheus", "Odysseus" und "Poppea" auf der Bühne der Komischen Oper Berlin. Sie wirft einen Blick hinter die Kulissen, in die "Nähstube" und in die Werkstatt für Bühne und Ausstattung, verfolgt die Entwicklung der Figuren und die Entstehung des speziellen Musik-Mixes aus Barock und moderner Musik. Interviews mit Barrie Kosky und Mitwirkenden dokumentieren den aufregenden Entstehungsprozess dieses gigantischen Projekts und führen in die Sujets von Monteverdis Opern-Trilogie ein.

Odysseus (15:25 – 18:10 Uhr)

Günter Papendell

Musikalisches Drama in einem Prolog und drei Akten (Live zeitversetzt) – "Die Heimkehr des Odysseus" wurde im Venezianischen Karneval 1641 uraufgeführt. Die Oper ist ohne Instrumentierung überliefert, dafür mit Melodie- und Gesangslinien. Der jugendlich-leidenschaftlichen Liebe zwischen Orpheus und Eurydike steht hier die abgeklärte Sehnsucht der jahrelang getrennten Eheleute Odysseus und Penelope gegenüber. 20 Jahre lang wartet Penelope darauf, dass ihr Mann Odysseus aus dem Krieg gegen Troja heimkehrt. Sie widersteht allen Werbeangeboten. Als Odysseus schließlich zurückkehrt, erkennt Penelope ihn nicht mehr. Eine letzte Bewährungsprobe ihrer Liebe beginnt.

Die Rollen und ihre Darsteller: Odysseus (Günter Papendell), Penelope, seine Frau (Ezgi Kutlu), Telemachos, sein Sohn (Tansel Akzeybek), Amor/Iros (Peter Renz), Melanto, Penelopes Dienerin (Mirka Wagner)

Monteverdis Musen – Teil 1: Im Herzen der Nacht (18:10 – 18:55 Uhr)

Birds in the Pie

Zweiteilige Filmerzählung – Vergänglichkeit und Tod, aber auch Fülle und Üppigkeit, Lebensgenuss pur vermittelt die Kunstform des Frühbarock: Ein Fest der Sinne mitten im Alltag. Offensichtlichstes Symbol dieser Dolce Vita sind die Gaumenfreuden. Der barocke Mensch zecht, schlemmt und sublimiert seine Lebenslust in der Musik.

Theo Ross begibt sich auf diese Seiten-, Um- und Abwege: Die Esskultur zur Zeit Monteverdis. Ken Alballa, Spezialist für die Esskultur der Renaissance und des Barock, kocht verschiedene zeittypische Gerichte und philosophiert dabei über den Zusammenhang von Musik und Essen dieser Epoche.

Reisebilder aus Cremona, Venedig, Mantua zeigen die Landschaften und Orte, die Monteverdis Musik inspirierten. Die Figuren seiner Opern werden darin lebendig. Da sind Eurydike, die Gefangene im Hades, Penelope, die Treue, und Poppea, die Leidenschaftliche. Sie verbinden sich mit Claudia von Cattaneis, die sich an das gemeinsame Leben mit Claudio Monteverdi, dem Meister der italienischen Oper, erinnert.

Poppea (18:55 – 22:40 Uhr)

Brigitte Geller

Musikalisches Drama in einem Prolog und drei Akten (Live) – Monteverdis letzte Oper, 1642 uraufgeführt, ist eines der innovativsten Werke des Komponisten und war für die Gattung Oper wegweisend. Im Mittelpunkt steht die historische Figur des Nero. Jede Nacht verbringt Kaiser Nero mit seiner Geliebten Poppea. Doch seine sexuelle Besessenheit wird ihm zur Falle: Poppea drängt den ihr Verfallenen mit seiner Frau, Kaiserin Octavia, zu brechen. Octavia wiederum zwingt Poppeas verflossenen Liebhaber Otho, die Rivalin zu ermorden. Der Plan misslingt. Der Weg zur Krönung Poppeas als Kaiserin ist frei. In Poppea ist die Unschuld arkadischer Liebe pervertiert zu reiner Lust. Sie wird zum Polit-Thriller voller Machtgier, Intrige und Mord.

Die Rollen und ihre Darsteller: Poppea (Brigitte Geller), Nero, Kaiser (Roger Smeets), Octavia, Kaiserin (Helene Schneiderman), Otho, ehemaliger Liebhaber Poppeas (Theresa Kronthaler), Drusilla (Julia Giebel), Seneca (Jens Larsen)

Monteverdis Musen – Teil 2: "Die Sonne der Melancholie" (in der Pause gegen 20:40 Uhr)

(pt/wa)

Mehr zu diesen Schlagwörtern: , , ,
Print Friendly
Andere Beiträge