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Wolfgang Rihm – eine Begegnung

12. Oktober 2012 - 08:02 Uhr

Sonntag, 14. Oktober 2012 / 10:00 – 10:30 Uhr
SWR-Fernsehen

Dokumentation (Deutschland 2012) Wolfgang Rihm ist einer der bedeutendsten Komponisten der zeitgenössischen Musik. Über 500 Werke hat er bisher geschrieben und er schafft immer wieder Neues. Am 13. März 2012 ist er 60 Jahre alt geworden. Auf der ganzen Welt wird er 2012 gefeiert, seine Heimatstadt Karlsruhe widmet ihm in diesem Jahr ein ganzes Festival, die Europäischen Kulturtage. Aber das war nicht immer so. Nach seinem Debüt bei den Donaueschinger Musiktagen 1974 hatte er die ersten 20 Jahre einen schweren Stand in der Kritik.

Wolfgang Rihm

Heute kann sich Rihm vor Auftragskompositionen nicht mehr retten. Mit wachsender Berühmtheit kommen außerdem viele Interviewanfragen und der Vorsitz von zahlreichen kulturellen Institutionen hinzu. Ein wahres Dilemma, denn das alles nimmt Zeit in Anspruch, die ihm zum Komponieren fehlt.

In dem Film erzählt Wolfgang Rihm, wie er damit umgeht. Denn auch er ist kein Übermensch. Genau wie alle anderen Menschen muss auch er seine Akkus immer wieder aufladen: Durch ein gutes Essen, Zeitverbringen mit geliebten Menschen oder einen Spaziergang durch seine Heimatstadt Karlsruhe. Dann gelingt es ihm, seine Inspiration in die Tat umzusetzen und von Hand all die Musik aus seinem Kopf niederzuschreiben. Nebenher liest er täglich mehrere Zeitungen und ist bestens über die Welt informiert – obwohl er gar keinen Computer besitzt.

Anna Becker und Isabel Heine, Masterstudentinnen der Hochschule für Musik Karlsruhe, sind dem Menschen Wolfgang Rihm im Interview außergewöhnlich nahe gekommen. In ihrem ersten größeren Filmprojekt zeigen sie den Komponisten beim Unterrichten und inmitten von Büchern, Pfeifentabak, Postkarten und Partituren in seiner Wohnung in Karlsruhe.

Das Bild, das Rihm von sich selbst zeichnet, ergänzen Freunde, Musiker und Kollegen. Sie erinnern sich an überraschende und ganz persönliche Erlebnisse mit Wolfgang Rihm: Er fördert junge Künstler, ist offen für "das Andere der Anderen" und ist da, wenn man ihn braucht. Er ist ein bodenständiger Mensch. Aber seine Musik fliegt – in diesem Film fliegt sie durch Karlsruhe. Straßenbahnfahrten begleiten Rihms Werke, Musik und Bild vermischen sich und bilden manchmal sogar eine neue Einheit. Das gelingt mit Rihms traditionellen, romantisch klingenden Klavier-Walzern genauso wie mit seinen bombastischen, geräuschhaften Orchesterwerken. Für diesen Film muss man Neue Musik nicht verstehen, sondern einfach nur wirken lassen.

(pt/wa)

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