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Der Dirigent Andris Nelsons – Genius on Fire

19. November 2012 - 08:07 Uhr

Mittwoch, 21. November 2012 / 22:10 – 23:05 Uhr
ARTE

Dokumentation (Deutschland 2012, Erstausstrahlung) Gleichmut gibt es im Leben des 34-jährigen Letten nicht, gab es nie: Als Kind hat Andris Nelsons nachts in der Schule Trompete geübt, bis er blutige Lippen hatte. Als Jugendlicher studierte er Gesang, lernte Taekwondo und wurde Orchester-Trompeter. Mit 24 Jahren ernannte ihn die Lettische Nationaloper in Riga zum Generalmusikdirektor.

Andris Nelsons

Nelsons nahm Privatunterricht bei Mariss Jansons. Sieben Jahre später wurde er Leiter des City of Birmingham Symphony Orchestras, als Nachfolger von Sir Simon Rattle. Längst hat er alle großen Orchester der Welt dirigiert. Wer ist dieser Mensch, der so früh eine so erstaunliche Karriere macht? Regisseurin Astrid Bscher hat Nelsons zwei Jahre lang begleitet.

In ihrem rasanten Film reihen sich Auftritte aneinander, Konzert- und Probenorte wechseln in rascher Folge. Kurze Episoden zwischen dem künstlerischen Schaffen zeigen Nelsons' Heimatstadt Riga, seine Ausbildungsstätten an der lettischen Musikakademie und in St. Petersburg und natürlich die Familie. Das Leben – tempo- und abwechslungsreich, wie es zu einem modernen Dirigenten passt oder einen solchen ausmacht.

Überraschend ist sein unglaubliches Engagement bei den Probenarbeiten. Witzig, temperamentvoll, leidenschaftlich ist er dabei und reißt die Musiker mit. Es gebe kaum einen Dirigenten, der während der Proben so viel gibt und beim Konzert noch mehr, sagt ein Orchestermusiker über Andris Nelsons. Vermutlich ist das das Geheimnis seines Erfolgs, warum die Orchester so gerne mit ihm arbeiten und das Publikum ihn liebt.

Astrid Bscher ist mit dem spannenden, jungen Künstler in seine Heimat nach Riga gereist, hat seine Eltern, Weggefährten und Kollegen getroffen sowie seine Ehefrau, die Sopranistin Kristine Opolais. Die Regisseurin zieht in ihrem Film kaum eine Trennline zwischen dem Dirigenten Andris Nelsons und dem Menschen Andris Nelsons. Ihr Porträt zeigt, wie sich Erlebtes in der Musik widerspiegelt, wie ein ernsthafter, junger Mensch mit dem Hype um seine Person umgeht, wie er daran wächst und sich weiterentwickelt.

Am 18. November, dem Unabhängigkeitstag Lettlands, hat Andris Nelsons Geburtstag.

(tr/pt/wa)

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