"XI" – Ein Polytop für Xenakis: Konzerte auf Berlins Straßen

27. Juni 2011 - 14:02 Uhr

Das Berliner Solistenensemble KALEIDOSKOP geht auf die Straßen Berlins. Zum 10. Todesjahr des griechischen Komponisten Iannis Xenakis verlassen die Musiker den Konzertsaal. Am 01. und 02. Juli 2011 spielen sie eine Konzert- und Performanceserie auf öffentlichen Plätzen und Straßen der Stadt.

Konzertperformance "XI"

Mit dem Begriff "Polytope" (griechisch: "viele Orte") bezeichnete der Komponist und Architekt Iannis Xenakis (1922-2001) seine monumentalen Kreationen, in denen er Licht, Klang, Raum und Bewegung als gleichberechtigte Elemente zu einem Gesamtkunstwerk zusammengefügt hat. Das Projekt "XI" ist eine Hommage, ein "Polytop für Iannis Xenakis", wie es im Untertitel heißt. Die Idee dazu entstand aus der gemeinsamen Wertschätzung des Ensembles für den Komponisten. "Der hat einfach so tolle Streichermusik geschrieben", sagte die Geigerin Daniella Strasfogel dem Nachrichtenmagazin musik heute.

"XI" startet am Freitag, dem 01. Juli, um 20:00 Uhr mit einem Konzert im Kammermusiksaal der Philharmonie. Dabei trifft die Musik von Xenakis auf Werke von Sebastian Claren (UA, Auftragswerk), Ryoji Ikeda, Josiah Oberholtzer (UA) und Claudio Monteverdi. Am Samstag bespielen die Musiker zwischen 10:00 und 19:00 Uhr mit Guerilla-Aktionen zentrale Plätze Berlins in einer Inszenierung von Aliénor Dauchez. Die Orte werden rechtzeitig unter www.xi11.de bekanntgegeben.

Die Aktionen gipfeln um 20:30 Uhr in einem Ringpolytop des österreichischen Komponisten Georg Nussbaumer auf der Brachfläche des Gleisdreiecks. Das Konzept von Xenakis, Architektur und Landschaft in großformatige Licht-Klang-Orte zu verwandeln, wird auf eine ganze Region ausgedehnt: die Musiker sind über die Stadt verteilt und nur akustisch anwesend. Ihre Klänge und die ihrer Umgebung werden über Mobiltelefone auf 15 Autos auf dem Gleisdreieck übertragen. Dort sind Musiker mit Blasinstrumenten im Kreis postiert und hüllen den Platz in rotierende Klänge. Das Publikum bewegt sich frei über das Gelände.

Der Cellist Michael Rauter erklärte die Überlegungen des Ensembles: "Was passiert eigentlich, wenn wir aus dem Konzertsaal rausgehen? Worauf treffen wir da oder verschwinden wir einfach? Es war auch die Lust, sich dem einfach mal auszusetzen, das Risiko einzugehen, eventuell im Gewirr der Stadt unterzugehen." Das vollständige Interview mit der Programmgestalterin Daniella Strasfogel und dem künstlerischen Leiter Michael Rauter können Sie hier lesen.

(wa)

http://www.kaleidoskopmusik.de/
http://www.xi11.de/

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