Verdi Mania

16. Oktober 2013 - 08:32 Uhr

Sonntag, 20. Oktober 2013 / 16:40 – 17:35 Uhr
ARTE

Dokumentation (Deutschland 2013, Erstausstrahlung) Für die Menschen in der Emilia-Romagna ist Giuseppe Verdi einer von ihnen. Sie fühlen sich aus tiefstem Herzen verpflichtet, Geist und Erbe des Komponisten zu bewahren, zu leben und zu verbreiten. In Busseto wurde Verdi 1813 als Sohn eines Kaufmanns geboren. Hierhin kehrte er trotz seiner internationalen Erfolge immer wieder zurück, kaufte sich ein Bauernhaus und lebte die längste Zeit seines Lebens.

Verdi-Statue

In den "Terre Verdiane", wie der Landstrich um Le Roncole, Busseto und Parma genannt wird, ist es schwer einen Ort zu finden, an dem sich keine Abbildung des Komponisten findet. Verdi ist omnipräsent, selbst in den Bars und Geschäften. Diese weniger glamouröse, dafür aber umso authentischere Verdi-Verehrung durch die Menschen in und um Parma, die sich quer durch alle Bildungsschichten zieht, findet in liebevoll gestalteten Kuriositäten Ausdruck. Arbeiter einer Fabrik verehren Verdi, indem sie an ihrer Arbeitsstätte den Gefangenenchor aus "Nabucco" auf Saxofon und Posaune spielen. Im Männerverein "Club dei 27" wiederum hat jedes Mitglied den Namen einer Verdi-Oper. Jedes Jahr am 10. Oktober stoßen die Männer auf die Geburt des Maestros an, und am 27. Januar, seinem Todestag, ehren sie den Komponisten mit einem stillen Gedenktag.

Das Filmteam besucht das Dorf, das nach Verdis wohl populärster Oper "Aida" benannt wurde und dessen Bewohner Namen wie Otello, Desdemona, Jago oder Radames haben. Die Kameraleute begegnen einem Tierarzt, der von seinem Aussehen her Ähnlichkeit mit Giuseppe Verdi pflegt oder einer Köchin, deren Urgroßmutter bereits für Verdi kochte.

Der Film stellt auch die bei Sängern gefürchteten "Loggionisti" des Teatro Regio di Parma vor, die wohl fanatischsten Opernfans der Welt, welche sich in den oberen, billigen Rängen des Theaters zusammenfinden und lautstark ihren Beifall oder ihr Missfallen ausdrücken. Oder den Verein der Opernfans "Parma Lirica", gegründet in den 1960er Jahren in Bars und Restaurants, wo sich die Mitglieder zum Singen trafen, und der heute zudem eine wichtige Rolle im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Provinzhauptstadt spielt.

Club dei 27

Gezeigt wird die Kirche von Verdis Geburtsort, wo er in jungen Jahren Orgel spielen lernte, und den Messner, der stolz die seit Verdi unveränderte Treppe zur Orgel präsentiert. Die Dokumentation bietet Einblicke in das Krankenhaus, das Giuseppe Verdi bauen ließ, um die medizinische Versorgung der Bauern zu verbessern. Ein Bauer aus der Gegend von Busseto beschreibt das Leben und Arbeiten von Giuseppe Verdi als Großgrundbesitzer – und er fühlt sich Verdi so verbunden, dass er beim Verlesen von Verdis Testament Tränen in den Augen hat.

Ferner begegnet das Kamerateam Angiolo Carrara Verdi, einem Nachfahren des berühmten Komponisten, der durch Verdis Villa in Sant’Agata führt, in welcher – ungeachtet der Tatsache, dass in diesem Haus seitdem mehrere Generationen gelebt haben – alles unverändert gelassen wurde, so als ob der Maestro jederzeit zurückkehren könnte.

(pt/wa)

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