Cellistin Nadège Rochat: "Ich möchte authentisch sein"

18. Oktober 2013 - 10:00 Uhr

Weimar/Berlin – Sechs Jahre lang hat die Cellistin Nadège Rochat bei der Kölner Professorin Maria Kliegel studiert. "Ich bewundere sie wirklich", schwärmt die 22-Jährige noch immer. Vor einem Monat wechselte sie in die Klasse von Prof. Robert Cohen an die renommierte Royal Academy of Music in London.

Als Solistin des Sinfoniekonzerts der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar am Samstag spielt Nadège Rochat die Rokoko-Variationen von Peter I. Tschaikowsky.

Nadège Rochat

Frage: Sie sind 2. Preisträgerin des Wettbewerbs "Ton und Erklärung" des Kulturkreises der Deutschen Wirtschaft. Welchen Stellenwert hat die Musikvermittlung heute?

Nadège Rochat: Ab Mitte des 19. bis hinein ins 20. Jahrhundert gehörte die musikalische Ausbildung im Bürgertum einfach zum guten Ton, war ein selbstverständlicher Teil. Heutzutage ist das anders: Der Künstler soll und muss sich für seine Kunst persönlich einsetzen, um sein Publikum zu gewinnen, was früher nicht seine Aufgabe war. Persönlich glaube ich aber nicht, dass die "klassische" Musik und ihr Publikum vom Aussterben bedroht sind. Meiner Ansicht nach gibt es viel zu viel Aufregung um die Notwendigkeit von Musikvermittlung.

Frage: Warum haben Sie dann am Wettbewerb "Ton und Erklärung" teilgenommen, der ja genau das in den Fokus rückt?

Nadège Rochat: Ich fand es toll, dass die Teilnehmer für die Präsentationen ihrer Werke in Workshops richtig "gecoacht" wurden. Persönlich erkläre ich die Stücke am liebsten immer dann, wenn ich es für angebracht halte, zum Beispiel bei meinen Auftritten in Krankenhäusern oder Schulen. Ich möchte dabei authentisch sein und das Gefühl haben, dass meine Worte das Hörerlebnis für das Publikum verbessern.

Frage: Warum sind die Rokoko-Variationen Tschaikowskys so beliebt beim Publikum?

Nadège Rochat: Die Musik erinnert mit ihren Verzierungen und ihrer Eleganz an eine vergangene Zeit, sie ist von einer großen Leichtigkeit. Obwohl es Tschaikowsky in der Entstehungszeit des Werks sehr, sehr schlecht ging, ist nur eine einzige Variation in Moll komponiert. Für Cellisten sind die Rokoko-Variationen wahnsinnig schwer zu spielen: Man wird als Solist die ganze Zeit über gehört und erhält wenig "Unterstützung" vom Orchester, auch wenn es so gut ist wie das Hochschulorchester hier (schmunzelt).

(Die Fragen stellte Jan Kreyßig, Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar.)

(wa)

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Link:

http://www.hfm-weimar.de/

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