Anzeige

Anzeige

Im Kampf mit dem Berge – Eine Alpensymphonie in Bildern

19. November 2013 - 08:01 Uhr

Dienstag, 19. November 2013 / 00:25 – 01:40 Uhr
ARTE

Stummfilm (Deutschland 1921) Nach seinem ersten Sportfilm "Wunder des Schneeschuhs" drehte der Bergfilm-Pionier Arnold Fanck "Im Kampf mit dem Berge", der auch unter dem Titel "In Sturm und Eis. Eine Alpensymphonie in Bildern." in die Kinos kam. Der bei Zermatt entstandene Stummfilm dokumentiert die Besteigung des 4.500 Meter hohen Liskamm mit den damals sehr prominenten Skiläufern Hannes Schneider und Ilse Rohde.

Alpensymphonie in Bildern

Alpensymphonie in Bildern

Einen Platz in der Filmgeschichte errang der Streifen nicht zuletzt wegen seiner Musik. Im August 1921, als Arnold Fanck den Filmschnitt beendet hatte, schrieb Paul Hindemith eine 75-minütige Filmmusik, die noch den ursprünglichen Titel des Films trägt: "In Sturm und Eis. Eine Alpensymphonie in Bildern". Als Arnold Fanck im Sommer 1921 seinen Film in Meran schnitt, traf er dort zufällig mit Hindemith zusammen. Nachdem dieser sich einen ersten Eindruck vom Film verschaffen konnte, bot er Fanck seine Mitarbeit an. Innerhalb von weniger als zwei Wochen, wie die exakte Datierung im erhaltenen Autographen belegt, schrieb er die Musik für Salonorchester, signierte sie mit "Paul Merano" schenkte sie Arnold Fanck.

Bei der Uraufführung des Films im September 1921 wurde die Hindemith-Musik wurde nicht gespielt. Angeblich, weil die Vorbereitung der Musik zu viel Probenzeit gekostet hätte. Wahrscheinlich auch, weil die Kinokapellmeister schon wegen der Tantiemen lieber auf eigene Arrangements zurückgriffen.

Wie oft die Musik in der Stummfilmzeit aufgeführt wurde, lässt sich nicht mehr belegen. Hindemiths Musik hat sich in seinem Nachlass erhalten und wurde nach seinem Tode im Jahr 1963 wieder wahrgenommen. Zum Film konnte sie erst wieder in den 80er Jahren aufgeführt werden, allerdings nur gekürzt und eingerichtet auf die s/w-Kopie, die sich in Moskau erhalten hatte und in den 1980er Jahren in den Westen kam.

Von der Urfassung gibt es die handschriftliche Partitur von Paul Hindemith, erhalten im Frankfurter Hindemith-Institut. Der Komponist hat nicht nur jede Filmminute exakt notiert, die für den Ablauf einen perfekten Fahrplan vorgibt, sondern auch die 58 Zwischentitel durchnummeriert und 50 mit Stichworten vermerkt. So konnte man immer ahnen, dass die Originalfassung mit ihrer Beschwörung einer phantastischen Gewitternacht viel mehr der Gedankenwelt einer romantisch inspirierten Bergmystik entsprang als der eher profan-sportliche Duktus der späteren schwarz-weiß-Fassung nahelegt.

Das hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Frank Strobel hat die Hindemith-Musik neu eingespielt. Zudem wurden in internationalen Filmarchiven zwei weitere Kopien mit den ursprünglichen Zwischentiteln und historischen Einfärbungen entdeckt. Dieses Filmmaterial wurde hochauflösend gescannt und mit allen weiteren Kopien abgeglichen. Im Mai 2013 wurde der rekonstruierte Film "Im Kampf mit dem Berge" im Sendesaal des Hessischen Rundfunks mit Live-Musik aufgeführt.

(pt/wa)

Mehr zum Thema:

Stummfilm "Im Kampf mit dem Berge" mit Originalmusik (08.05.2013)
Mittlerin zwischen Film und Musik: Restauratorin Anke Wilkening
Eine kurze Geschichte der Filmmusik (Von Frank Strobel)
Am Anfang war Saint-Saëns

Mehr zu diesen Schlagwörtern: , , , ,
Print Friendly
Andere Beiträge