Richard Strauss und seine Heldinnen

11. April 2014 - 08:32 Uhr

Samstag, 12. April 2014 / 22:55 – 23:50 Uhr
3sat

Dokumentation (Schweiz 2014, Deutsche Erstausstrahlung) Der Film von Thomas von Steinaecker macht sich auf die Suche nach den Frauen im Leben des Komponisten Richard Strauss. Im Mittelpunkt steht vor allem seine Beziehung zu Pauline, mit der er bis zu seinem Tod über 55 Jahre lang verheiratet war. Bis heute gilt sie als Xanthippe, die ihren Mann oft öffentlich bloßstellte. Doch Strauss komponierte für die ausgebildete Sängerin, die für ihn ihre Karriere aufgab und ihm lebenslang den Rücken freihielt, am Beginn und Ende ihrer Beziehung seine schönsten Lieder.

Richard Strauss mit Sängerin

Richard Strauss mit Sängerin

Nach sechs Jahren Ehe hat die aufbrausende und chronisch eifersüchtige Pauline, Tochter eines Generals, genug von Richard Strauss. Denn während ihr viel beschäftigter Mann auf einer Konzertreise ist, flattert in ihr gemeinsames Berliner Apartment der Brief einer gewissen Mieze Mücke, die in anzüglichen Worten schreibt, wie sehr sie Richard vermisse.

Pauline hat es immer gewusst und nun hält sie endlich den Beweis in den Händen: Ihr Mann, der mit seinen 36 Jahren weltweit als der wichtigste lebende deutsche Komponist gefeiert wird und von einem Erfolg zum nächsten hetzt, ist ihr untreu. Seine ausgestellte Gemütlichkeit und Biederkeit scheinen ihr nur eine Maske. Stammen seine Inspirationen für die erotischen Eskapaden, von denen einige seiner Tondichtungen und Lieder handeln, von den Liebschaften des Künstlers?

Ein paar Jahre später, das Paar ist doch nicht geschieden, vielleicht auch wegen seines über alles geliebten Sohnes Franz, genannt "Bubi", kommt es noch schlimmer für Pauline: 1905 spricht die gesamte Musikwelt von Richard Strauss, sogar der Kaiser äußert sich öffentlich über ihn – aber nicht allein wegen seiner Musik, sondern wegen des erotischen Sujets seiner Oper "Salome", auf deren Höhepunkt die Sängerin nackt den "Tanz der sieben Schleier" darbietet.

Und so geht es immer weiter: Von kecken Mädchen über männermordende antike Heroinnen bis hin zu gelangweilten Adligen, die sich nach erotischer Abwechslung sehnen – immer macht Strauss verführerische Frauenfiguren zu den Protagonistinnen seiner sensationell erfolgreichen Opern. Doch woher nimmt Strauss, der am liebsten zurückgezogen in seiner bayerischen Villa komponiert, allein wandert und mit seinen Freunden bei einem Bier Skat spielt, seine Inspiration?

(pt/wa)

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