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Silbermann – Zwei Brüder erobern die Orgelwelt

01. Oktober 2014 - 09:00 Uhr

Donnerstag, 02. Oktober 2014 / 23:05 – 23:35 Uhr
MDR-Fernsehen

Dokumentation (Deutschland 2014, Erstausstrahlung) 19. August 1714. Bis auf den letzten Platz ist die Kirche gefüllt. Eifriges Getuschel in den Bankreihen: Haben sich die drei Jahre ungeduldigen Wartens wirklich gelohnt? War das viele Geld wirklich eine gute Investition? Doch als die ersten Töne erklingen, sind alle verzaubert. Sie ist ein Meisterwerk, die neue Orgel im Dom zu Freiberg. Ihr Schöpfer wird mit 31 Jahren über Nacht berühmt: Gottfried Silbermann. Im selben Jahr beginnt Gottfrieds älterer Bruder Andreas mit dem Bau seiner Orgel für die Kathedrale in Straßburg. Es wird seine größte sein.

Orgel des Freiberger Doms

Orgel des Freiberger Doms

Zusammengerechnet bauen die Brüder Silbermann fast 80 Orgeln, alle von höchster Klangqualität. Durch ihre Werke und die ihrer Schüler prägen sie den Orgelbau in ganz Europa. Deutschland kennt keinen berühmteren Orgelbauer als Gottfried Silbermann. Die Nachfahren seines Bruders Andreas bauen in Frankreich noch bis ins 19. Jahrhundert erfolgreich Musikinstrumente. Bis heute rankt sich um die Orgeln der Brüder ein wahrer Kult. Scharenweise kommen die Fans von weit her, nur um sich am Klang einer echten Silbermann-Orgel zu berauschen. Was der Name Stradivari für die Geige, das ist die Marke Silbermann für die Königin der Instrumente.

Doch so berühmt ihre Orgeln sind, so wenig wissen wir über das Leben der Silbermann-Brüder. Nicht mal ein Bild von ihnen ist überliefert. Grund genug, um in einem neuen Film der MDR-Reihe "Lebensläufe" auf Spurensuche zu gehen und zu erkunden, wie es dem Brüderpaar aus Sachsen gelang, die Orgelwelt zu erobern.

Bachwerke auf Silbermannorgeln (23:35 – 00:00 Uhr)

Herbert Collum spielt Johann Sebastian Bachs Toccata und Fuge d-Moll BWV 565 an der Silbermann-Orgel der Kirche in Reinhardtsgrimma. Anschließend interpretiert Hannes Kästner an der Silbermann-Orgel der Georgenkirche in Rötha Bachs Präludium und Fuge Es-Dur BWV 552.

Die Silbermann-Orgel in Reinhardtsgrimma zählt zu den schönsten Instrumenten des 18. Jahrhunderts. Geschaffen wurde das Kunstwerk vom "Churfürstlich Sächsischen und Königlich Polnischen Hof- und Landorgelmacher" Gottfried Silbermann, der dafür ein Salär von 800 Talern erhielt. Eine Summe, die damals dem Jahresgehalt eines gehobenen mittleren Beamten entsprach. Am 6. Januar 1731 wurde die Orgel durch den Dresdner Kreuzkirchenorganisten Emanuel Behnisch geweiht. Herbert Collum, selbst Kreuzkirchenorganist von 1935 bis 1982, schätzte den Klang des "kleinen Wunders der Orgelbaukunst" so sehr, dass er regelmäßig an der Orgel konzertiert und sogar – seinem letzten Wunsch gemäß – in Reinhardtsgrimma beigesetzt wurde.

Im Dezember 1718 schlossen der Kirchenpatron Freiherr von Friesen mit Gottfried Silbermann und Zacharias Hildebrandt einen Vertrag zum Bau einer neuen Orgel in der Georgenkirche Rötha. Am 8. November 1721 wurde das Instrument fertiggestellt und durch den Leipziger Thomaskantor Johann Kuhnau geprüft und abgenommen. Bei einem Besuch in Rötha im Jahre 1840 spielte Felix Mendelssohn Bartholdy auf den Silbermann-Orgeln der Marien- und der Georgenkirche in Rötha Fugen von Johann Sebastian Bach und lobte den Klang der Instrumente.

(pt/wa)

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