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Luis Reichard: "Junge Musiker mit anderen Kreativen zusammenbringen"

10. Dezember 2014 - 14:55 Uhr

Hannover (mh) – Mit dem Projekt "Noch:Schon" will ein Team junger Musiker, Designer und Produzenten klassische Musik in den Kontext von Musikstilen der Gegenwart stellen. Dazu haben sie ausgewählte Werke verschiedener Epochen eingespielt und ihre Aufnahmen anschließend im Tonstudio rekomponiert. Nach dem Anhören der ersten Doppel-CD "Musik an der Schwelle" hat musik heute mit dem Produzenten und konzeptuellen Urheber der Rekompositionen, Luis Reichard, gesprochen.

Einspielung

Einspielung

musik heute: Für Ihr Projekt haben Sie die Werke neu eingespielt. Warum haben Sie nicht vorhandene Aufnahmen gesampelt?

Luis Reichard: Ein zentraler Aspekt bei der Arbeit an der Doppel CD "Noch:Schon – Musik an der Schwelle" war die Repertoireauswahl und auch die Einspielung der Werke in herkömmlicher Art und Weise. Uns war wichtig, junge Musiker aus der Klassikwelt mit Kreativen anderer Bereiche zusammen zu bringen. Außerdem verstehen sich unsere Rekompositionen als Ergänzung, als andere Perspektive auf eine bestimmte Version des Originals. Sie sind also untrennbar mit den Originaleinspielungen verknüpft und durch die ausschließliche Verwendung derselben Audiospuren auch klanglich stark aufeinander bezogen.

musik heute: Warum haben Sie auf CD 1 die Berg-Lieder geteilt?

Luis Reichard: Die Unterbrechung des Berg-Zyklus war eine rein hörpsychologische Entscheidung. Da sich die zwei Sängerinnen Anna-Doris Capitelli und Carolina Große-Darrelmann den Zyklus in der Einspielung geteilt hatten, lag die Idee nahe, eine “Sollbruchstelle” in den Zyklus einzubauen. So kann sich das unterschiedliche Timbre der beiden Frauenstimmen eigenständiger entfalten. Darüber hinaus gefiel uns der klangliche Kontrast zur Prokofjew-Einspielung und die Gegenüberstellung dieser beiden unterschiedlichen Duo-Situationen.

Studio-Arbeit

Studio-Arbeit

musik heute: Von Prokofjews Sonate für zwei Violinen, op. 56 gibt es keine Rekomposition. Hat das Material an anderer Stelle Einfluss auf Ihre Bearbeitungen genommen?

Luis Reichard: Das ist sehr gut beobachtet. Von Seiten des Originalverlags ist uns leider das Bearbeitungsrecht nicht eingeräumt worden. Deshalb gibt es von der Sonate weder eine Rekomposition, noch ein erkennbares Zitat. Wir haben es uns trotzdem nicht nehmen lassen, Samples aus dem Prokofjew-Werk zu verwenden – wo, lassen wir aber offen. Das wäre ein hervorragendes Ratespiel!

(Die Fragen stellte Anne Reck.)

Mehr zum Thema:

Musik an der Schwelle – Unkonventionelle Perspektiven auf klassisches Repertoire

Link:

http://www.amc-records.com/nochschon

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