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Dornröschen – Ballett von Uwe Scholz

16. Dezember 2014 - 08:30 Uhr

Donnerstag, 18. Dezember 2014 / 23:05 – 01:45 Uhr
MDR-Fernsehen

Ballett (Deutschland 2004) Das Ballett "Dornröschen" ist ein Klassiker und fehlt in fast keinem Repertoire der großen Ballettkompanien Europas. 1888 gab das kaiserlich-russische Theater bei Peter Tschaikowsky ein abendfüllendes Ballett in Auftrag und schlug für das Szenario das von Charles Perrault im 17. Jahrhundert aufgezeichnete Märchen "Dornröschen" vor. Der Komponist war vom Sujet so begeistert, dass er nur 40 Tage für den Entwurf brauchte. Das Ergebnis ist eine Partitur, die Musik für großartige Panoramen, für lyrische Besinnlichkeit, aber auch für detaillierte Charakterisierung sowohl der Haupt- als auch der kleinen Nebenrollen enthält. Am 15. Januar 1890 wurde das Ballett "Dornröschen" am Maryinsky-Theater uraufgeführt.

Ballett "Dornröschen"

Ballett "Dornröschen"

Der frühere Ballettdirektor der Leipziger Oper Uwe Scholz sah in Tschaikowskys "Dornröschen" eine "märchenhafte Herausforderung" und begab sich in seiner Inszenierung auf die Suche nach dem Zauber der Kindheit. Scholz verzichtete bewusst auf jede psychologisierende Neudeutung, sondern inszeniert unangestrengt und mit leichter Hand. Er erzählte sein "Dornröschen" im Sinne des Perraultschen Märchens. Die TV-Erstausstrahlung hat der schwer erkrankte Scholz nicht mehr erlebt, er starb am 21. November 2004.

Scholz führt das Stück weg vom romantischen Ballett hin zu einer ironisierten und verspielten Ballett-Revue. Bewusst wählt er dazu eine naive Erzählweise, bei der das Märchen Märchen bleiben darf. Keineswegs naiv konstruiert Scholz jedoch sein Ballett: Gleich einem Conferencier lässt die Fliederfee die Handlung geschehen und führt alle Beteiligten nicht geradlinig, aber doch zielsicher zum Happy End. Nachdem sie sich im Prolog selbst in einem glanzvollen Auftritt einführt, korrigiert die Fliederfee im ersten Akt souverän den tödlichen Zauber der Carabosse, weniger jedoch, um ein Exempel gegen das Böse zu statuieren, als vielmehr aus dem Bewusstsein heraus, dass die Geschichte an diesem Punkt noch nicht enden darf.

Im zweiten Akt stellt sie dem jugendlichen Prinzen Désiré auf der Jagd das Traumbild von Dornröschen vor und geleitet ihn – nachdem sie so sein Interesse an der schönen Prinzessin geweckt hat – zum Schloss. Doch da wird die Überwindung der Dornenhecke dem Prinzen weniger zum Problem als die Überwindung der Schüchternheit vor dem ersten Kuss. Ermuntert und angeleitet durch die Fliederfee nimmt der Prinz jedoch auch diese Hürde – und Scholz nutzt die Gelegenheit, dem Erwachungskuss einen "Freuden"-Pas-de-deux anzuschließen, wie er im Vergleich zum Petipaschen Entwurf unüblicher nicht sein könnte.

Die Ausstattung bemüht in geradezu überdrehter Form das französische Hochbarock. Mit mehr als 300 verschiedenen Kostümen schenkt sich Kostümbildner Toni Businger kein Detail und beeindruckt weniger durch luxuriösen Überschwang als durch eine verspielte Phantasie, die dem Märchen als Ballett-Revue ihrerseits die notwendige Farbenpracht verleiht. Nicht zuletzt dadurch unterstützt er Scholzens "Dornröschen" in seiner zeitlosen Gültigkeit als Märchen.

Darsteller und Rollen: Oksana Kulchytska (Prinzessin Aurora), Joan Boix (Prinz Désiré), Maiko Oishi (Fliederfee), Kiyoko Kimura (Carabosse), Leipziger Ballett. Kostüme: Toni Businger; Bühne: Toni Businger; Inszenierung und Choreographie: Uwe Scholz, Dirigent: Jörg Krüger.

(pt/wa)

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