Zum 90. Geburtstag von Pierre Boulez: Klavierkonzert Nr. 2 von Franz Liszt

26. März 2015 - 08:00 Uhr

Sonntag, 29. März 2015 / 18:30 – 19:15 Uhr
ARTE

Konzert (Deutschland 2011) Als Würdigung von Pierre Boulez wiederholt ARTE ein Konzert, das 2011 anlässlich des 200. Geburtstags von Franz Liszt beim Klavier-Festival Ruhr gegeben wurde. Darin interpretieren Boulez am Dirigentenpult und Daniel Barenboim am Klavier gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin das zweite Klavierkonzert des Komponisten. Ergänzt wird das Programm aus der Philharmonie Essen mit einem Werk von Liszts Schwiegersohn Richard Wagner, dem "Siegfried-Idyll", eine aufregende und unerwartete Programm-Konstellation.

Daniel Barenboim (li.) und Pierre Boulez

Daniel Barenboim (li.) und Pierre Boulez

Als Klaviervirtuose war Liszt schon zu Lebzeiten eine Legende. Aber vor allem war er für die zwei Interpreten dieses Konzertes einer der wichtigsten Wegbereiter der Moderne, ein Visionär, der wie kaum ein anderer die musikalische Sprache seiner Zeit beeinflusst hat. Nike Wagner, die Urenkelin Richard Wagners und ehemalige Leiterin des Kunstfestes Weimar, nannte ihren Ur-Urgroßvater Liszt einmal eine "exemplarische moderne Figur", einen Künstler mit vielfachen Identitäten. Als Komponist schuf er die sprichwörtliche "Zukunftsmusik" und als Dirigent förderte er die Musikrevolutionäre Berlioz, Schumann und besonders Wagner.

Seine beiden Klavierkonzerte entwarf Liszt schon in den 1830er Jahren, damals reiste er als bewunderter und verehrter Virtuose durch die Konzertsäle Europas. Vollendet und uraufgeführt wurden sie aber erst etwa 20 Jahre später in Weimar. Kompositorisch bricht Liszt im zweiten Konzert mit der Tradition und verzichtet auf klar trennbare Sätze. Stattdessen entwickelt er aus kleinen Teilen, die verändert immer wiederkehren, eine große Konzert-Fantasie. Bei vielen seiner Zeitgenossen stieß er damit auf Unverständnis und Ablehnung.

Die Beziehung Liszts zu Wagner ist vielschichtig: Den Komponisten Wagner förderte er wie kaum ein Zweiter, doch sein privates Verhältnis kühlte deutlich ab, als Wagner eine Affäre mit Liszts verheirateter Tochter Cosima begann. 1869 kam deren unehelicher Sohn Siegfried zur Welt. Aus Freude über die Geburt seines Kindes schrieb Wagner das "Siegfried-Idyll". Er griff dabei sowohl auf Motive aus seiner Oper "Siegfried" als auch auf ältere musikalische Einfälle zurück. Uraufgeführt wurde das Werk, das nie veröffentlicht werden sollte, an Cosimas 33. Geburtstag im Treppenhaus der gemeinsamen Villa in der Schweiz.

(pt/wa)

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